Ich bin Softwareentwickler aber noch Junior und habe in den letzten Jahren immer mehr gemerkt wie KI in den Vordergrund gerückt ist. Es ist natürlich schön dass es an sich die Prozesse etwas entspannt aber gerade als Junior Entwickler ist es auch sehr frustrierend.
Ich arbeite mich gerne in neue Programmiersprachen und Arbeitsweisen ein und würde mich gerne auch über Technologien austauschen. Trotzdem fühle ich mich oft einem erhöhten Leistungsdruck ausgesetzt (weil man kann ja KI nutzen und dann geht es ja so schnell). Dabei vertiefe ich aber mein Wissen überhaupt nicht und ich habe auch öfter das Gefühl dass durch die Verfügbarkeit von KI Fragen an Kollegen ins Leere verlaufen. Das ist natürlich auch etwas schwierig weil wir alle im Home-Office sitzen und so schon kaum Austausch haben, wenn dann der Rest so verläuft.
Im Chat werden bei Fragen oft KI Antworten oder Code einfach kopiert, den Verdacht hatte ich schon lange, aber nun wurden auch die ersten Code Reviews für meine Arbeit mit wahrscheinlich Claude erstellt.
Ich möchte Niemanden auf die Füße treten oder mich unbeliebt machen.
Hat jemand eine Idee was ich vielleicht tun kann?
25 Comments
DmMacniel@feddit.org · 23 pts · 3d
Bin senior, wenn du 'ne Antwort findest, geb mir Bescheid.
Phaeyadore@feddit.org · 3 pts · 3d
Sehr gerne. Dürfte ich fragen wie es dir aus Senior Sicht mit dem KI Thema geht? Ich lese in deiner Antwort auch etwas Frustration und wäre neugierig auf eine andere Perspektive.
DmMacniel@feddit.org · 18 pts · 3d
Mhm Frustration ist untertrieben. Im Februar hatten wir ein Abteilungstreffen wo ein total KI enthusiast uns in ner Keynote gezeigt hat wie schnell und sicher man das was wir mit unserer mobilen App für Android und iOS bauen samt Backend fabrizieren kann...
Es war einfach ein flashy Dashboard mit ein bisschen CRUD als Backend. Und der Sprecher konnte nicht verstehen warum die Stimmung (Alle Disziplinen waren vor Ort) so verhalten war... das fand ich amüsant und bekräftigt mich, dass die die sich so auf KI einschießen, aka Tech Bros, einfach kein Bezug zur Realität und Wirtschaft haben.
Nun aber das ist nur ne Anekdote am Rande. Ich finde es sehr befremdlich, dass wir Softwareentwickler:innen mit KI arbeiten sollen (es braucht allerdings noch Zulassungen und es wird bei uns in der Firma erst noch erprobt und pilotiert), die sonst ein Azubi oder Junior wie dir sein könnte. Wo bleibt da die Menschlichkeit und das Zwischenmenschliche, und das sage ich als introvertierte.
Dann die Sache mit KI Fragen und Antworten, ich hab beim Brainstormen letztens wen im Team erwischt der unser Braingestormte für unsere PO und PM schmackhaft und verkaufbar (an das Controlling) zusammenfassen wollte... Nach dem dritten Satz der Zusammenfassung hab ich ihn beiseite genommen und gefragt, ob das was er gepostet hatte generiert war... ja war es.
Kann es sein, dass wir nicht mehr auf unsere eigenen Skills und Talente vertrauen können weil KI das ja auch kann? Als Softwareentwickler ist Kommunikation auch ein wichtiger Teilbereich unseres Doings, wieso laden wir das ab?
Ich versteh halt einfach nicht mehr die Welt. Ich hoffe, dass die KI Blase bald auch bei uns platzt und/oder der Butlerian Jihad ausgerufen wird.
Klingenrenner@feddit.org · 7 pts · 3d
Arbeiten wir im im selben Unternehmen? Bzw arbeiteten, ich hab wegen KI gewechselt (auch, weil ich glücklicherweise ein Angebot bekommen hab). Gab auch so einen AI evangelist, der seine vibe coded Produkte direkt dem Sales vorgestellt hat. Natürlich stehen die menschlichen Entwickler dann dumm da, wenn die "immer so lange brauchen" bis was fertig ist. Der Sales Mensch versteht aber auch nicht, was unit testing und "abseits vom happy path" ist.
Ich hab offensichtlich generierten und nicht überprüften slop immer direkt ignoriert oder den Menschen persönlich angesprochen ala "kannst du mir diesen Punkt nochmal genauer erklären?" Super unangenehm für die, wenn sie im Gespräch schwimmen, weil sie das Thema nicht verstanden und nur slop kopiert haben.
DmMacniel@feddit.org · 3 pts · 3d
Mhm ne, ich glaub, dass man sowas in jedem IT Unternehmen beobachten kann. Oder arbeitest du bei einem IT Dienstleister für Krankenkassen?
Klingenrenner@feddit.org · 1 pts · 2d
War mit zwinkerndem Auge gemeint, wir hatten niemanden mit Pronomen they/them in der Abteilung. Aber ich glaube auch, das KI Thema ist ein globales Problem.
Kissaki@feddit.org · 5 pts · 3d
Von Menschlichkeit mal ganz abgesehen liegt es sowieso im Interesse der Firmen und Projekte Juniors anzulernen. Sonst ist am Ende keiner mit Expertise vorhanden.
Phaeyadore@feddit.org · 2 pts · 3d
Das ist eben auch etwas meine Angst. Ich fürchte die Blase könnte irgendwann platzen, bzw sich nach China verlagern und ich möchte meine Karriere ungerne von China abhängig machen.
Ansonsten finde ich es teilweise entstressend KI auch in manchen Prozessen zu nutzen aber fürchte das könnte sowas sein wo man den Preis erst später erfährt.
Paulemeister@feddit.org · 1 pts · 3d
Aus Sicht von Unternehmen ist es unklug auszubilden. Im besten Fall bilden andere aus und die voll ausgebildeten werden angestellt. Die Junior Positionen ersetze ich mit KI. Im schlechtesten Fall bildet niemand aus. Dann hat man für die "Amtszeit" des Chefs noch Mitarbeitende und danach hat die ganze Branche niemanden mehr. Dann habe ich aber als Unternehmen trotzdem keinen Wettbewerbsnachteil.
Dummes Prinzip aber jeder handelt in sein lokales Optimum hinein ohne das kooperative globale Optimum zu finden
nuscheltier@feddit.org · 3 pts · 2d
Es gibt vom MIT eine Studie, dass Essayschreiben mit KI zu sich aufhäufenden kognitiven Problemen führt. Ich denke, beim Programmieren ist es ähnlich. hier Es ist zwar "nur" Essayschreiben, aber ich denke, das lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen, in denen man sich von KI helfen lässt.
DmMacniel@feddit.org · 1 pts · 2d
Krasser scheiß. Gut ich hab nur das Abstract gelesen, aber ich finde beunruhigend, dass Leute ihre eigene Arbeit nicht rezitierten konnten O.o
Aber gut, wer braucht schon ein Gedächtnis wenn man das ganze ins Brain 2.0 auslagern kann.
Danke für den Link.
Kissaki@feddit.org · 4 pts · 3d
Ich bin Lead. Bei mir war es bisher nur ein Kollege, auch nicht nur KI spezifisch, fehlende Sorgfältigkeit, Zuverlässigkeit, und andere Ansichten. Letzte Woche habe ich dann aber in einer review von einer anderen Kollegin eine KI Antwort auf meine Frage bekommen. Das hat mich schon sehr geshockt. Bisher kam konnte ich gut mit ihr arbeiten, auch mit fehlender Erfahrung.
Hat mich schon an aufgeben denken lassen. Vielleicht müssen wir uns als Team über Werte, Umgangsformen, und Arbeitsweisen unterhalten. Der erste Kollege hat sich aber über ein Jahr nicht gebessert, daher bin ich momentan sehr frustriert und pessimistisch.
Generell ist KI verwenden ok, wenn man sich selbst Dinge zu eigen macht, Kontext und Umgebung offen betrachtet und lernt, gerade als Junior. Als Junior sollte man auch die vorhandene Expertise von Seniors nutzen - ggf mit eigenen Vorüberlegungen.
Mir hilft code KI im Arbeitsalltag garnicht signifikant. Was auch an Technologie, Komplexität, und eigenen Vorstellungen und Ansprüchen liegen kann, und an meiner Sorgfalt when nichts blind oder unzufrieden zu übernehmen.
einkorn@feddit.org · 12 pts · 3d
Konkret das ansprechen, was du uns gerade geschildert hast:
"Ich habe das Gefühl, dass ich durch die ständige Nutzung von KI Antworten nicht wirklich dazulerne. Zwar finde ich schnell Lösungen, bei denen mir aber der Kontext häufig fehlt, durch den ich diese Lösungen auch wirklich einordnen könnte."
Einen Ansatz, den du einbringen könntest, wäre Pair-Programming:
"Mein Vorschlag ist, dass wir die Zeit, die wir durch die KI sparen, wiederum in Pair-Programming-Sessions nutzen könnten, was auch den direkten Austausch fördert, den ich, wenn ich ehrlich bin, vermisse."
Phaeyadore@feddit.org · 5 pts · 3d
Ich verstehe, das macht mir leider etwas Angst. Meine Stelle ist befristet und von den Mitarbeitern bin ich auch der Unerfahrenste und Jüngste.
Außerdem haben die Kollegen mit der Abteilungsleitung erst kürzlich darüber geredet KI Lizensen (von Claude, Copilot und co) anzuschaffen. Ich fürchte mit meiner Meinung fahre ich gerade voll gegen eine Wand.
einkorn@feddit.org · 5 pts · 3d
Du stellst dich ja nicht gegen die KI-Nutzung. Du möchtest nur, dass dich jemand mit auf die Reise nimmt. Und das du als Junior gerne von anderen lernen möchtest, sollte dein Teamlead eigentlich sogar als positive Eigenschaft auffassen.
Dayroom7485@lemmy.world · 7 pts · 3d
7 Jahre Erfahrung hier. Wir benutzen auf der Arbeit massiv viel KI, um Software zu schreiben. Händisches coden ist die Ausnahme geworden. Den erhöhten Leistungsdruck nehme ich auch wahr. Auf der anderen Seite kann ich mit KI auch mehr leisten und bearbeite heute in kürzerer Zeit mehr Tickets, der Trend hält seit etwa zwei Jahren an.
Ich empfehle dir die Flucht nach vorne. Es gibt kein Zurück mehr für Softwareentwickler, entweder, wir arbeiten mit KI, oder wir fallen zurück. Unser Beruf wird sich in den kommenden Jahren weiter stark verändern. Und in den kommenden Jahrzehnten die gesamte Gesellschaft.
Benutze KI Tools, wann immer du sie sinnvoll einsetzen kannst, und versuche, so viel wie möglich über sie zu lernen.
Unabhängig davon klingt das, was du von deiner Arbeit erzählst, bedenklich. Du scheinst in keinem Team mit guten Arbeitspraktiken zu arbeiten.
Wenn möglich, suche dir einE MentorIn. Dabei sprichst du eineN Senior in deinem Team an, von der/dem du den Eindruck hast, er/sie hat was auf dem Kasten. Und fragst, ob er/sie dich in regelmäßigen Meetings coacht. Die meisten Leute sagen zu sowas ja.
Wenn das in meinem Team passieren würde, würde ich der Person gewaltig die Meinung geigen. Es ist unverschämt, KI Output in Gespräche zu kopieren. Siehe ai;dr.
Das kann okay sein für kleine PRs, ist aber bei regelmäßigen Reviews bedenklich, solange ihr keine etablierten Praktiken für AI Reviews habt. Macht ihr Retrospective Meetings? Mit dem gesamten Team ansprechen, oder falls nicht möglich mit deinem/deiner Vorgesetzten.
Klingenrenner@feddit.org · 5 pts · 3d
Versuch programmieren "auf die alte Art" zu lernen. Ich persönlich "wette" darauf, dass die KI Blase platzt und dann nur wenige noch richtig Entwickeln können (und ich einer davon bin)
bAZtARd@feddit.org · 4 pts · 2d
Das ist Wunschdenken und hat nichts mit der Realität zu tun. Die KI Blase platzt irgendwann aber trotzdem werden wir nie mehr so entwickeln wie früher. Dafür ist das Werkzeug zu gut. Trotzdem kann es nicht schaden den Code zu verstehen.
nuscheltier@feddit.org · 2 pts · 2d
Man sollte den Code auf jeden Fall verstehen, damit man erkennen kann, wo die KI halluziniert hat und wo sie unnötige Komplexität reingebracht oder gar einen unscheinbaren Bug eingebaut hat.
Klingenrenner@feddit.org · 1 pts · 2d
Deswegen nenne ich es Wette.
Phaeyadore@feddit.org · 4 pts · 3d
Denke ich um ehrlich zu sein auch, ich würde gerne fit bleiben/werden. Hab noch vieles auf die alte Weise gelernt aber als KI so krass wurde hat die Lernkurve dann an Steigung verloren. Schade eigentlich.
Klingenrenner@feddit.org · 1 pts · 2d
Ich halte es wie Remy in Ratatouille: Jeder kann kochen, das heißt aber nicht, dass es jeder tun sollte.
Wobei es eher zum elitären Chef Skinner passen würde.
hobata@lemmy.ml · 2 pts · 3d
Mach irgendwas mit Holz, Klempner oder so was.
Kissaki@feddit.org · 2 pts · 3d
Macht ihr Retrospektiven? Da ware das anzusprechen. Dann ein gemeinsames Verständnis zu Anforderungen, Expertise, langfristigen Zielen, Werten zu finden.
Wenn die Kollegen oder Arbeitsumgebung darauf nicht eingehen, dann weist du auch woran du bist.
Am Ende musst du selbst entscheiden was wichtig und richtig fur dich erscheint. Ob "schnell schnell" richtig oder akzeptabel für sich ist, oder eben nicht, und du es so umsetzt und damit umgehst wie es dir richtig oder notwendig erscheint.
pulsey@feddit.org · 1 pts · 1d
Stell fragen, wenn du was nicht verstehst. Wenn da nur ein Codeschnipsel zurück kommt, stell nochmal eine Frage, wenn es nicht weiter hilft.
Machst du selber auch Code reviews? Dann händisch und präzise nachfragen, wenn etwas unklar ist.
Wenn dir Programmieren wirklich Spaß macht, such dir ein Projekt als Hobby, dass du ganz gezielt ohne KI entwickelst, muss ja nichts krasses sein. Einfach eine Challenge, die dich interessiert.