Hallo zusammen, mich würde gern mal eure Meinung interessieren (kurz vorweg: ich bin Techniker und Wirtschaft gehört nicht zu meinen Stärken)
Im Herbst können wir unser neues Heim beziehen. Es handelt um ein Objekt im Mietkaufmodell mit Wohnbauförderung (Österreich), Bauträger ist eine gemeinnützige regionale Organisation/Genossenschaft.
Wir haben gut gespart und können das Haus nach unseren Wünschen einrichten und es bleibt dann noch ein gesundes Polster übrig. Zuerst zahlen wir Miete, nach 5 Jahren bekommt man die Möglichkeit das Haus zu kaufen. Anscheinend macht es vom Modell aber meist mehr Sinn nach 10 Jahren zu kaufen.
Wie würdet ihr empfehlen, in dieser Zeit unser Geld bestmöglichst anzulegen?
Ich will etwas Risiko-armes (da ich mich eben nicht gut auskenne). Mein Versicherungsvertreter wollte mir einen Investment-Fond andrehen welcher dann über die Versicherung läuft (anscheinend weniger Gebühren als bei einer Bank). Was haltet ihr davon? Wäre das sinnvoll für uns?
13 Comments
DrunkenPirate@feddit.org · 4 pts · 113d
Auf 10 Jahressicht würde ich das Geld in einen ETF anlegen. Da man historisch von 7-8% Rendite pro Jahr ausgeht, würden sich eure Ersparnisse verdoppeln.
1,07 hoch 10 (1,07 * 1,07 * 1,07 …) = 1,97 = 97% mehr = das Doppelte. Also jedes Jahr 7% obendrauf. 10 Jahre mal 7% sind ja 70% und die 27% Unterschied dazu sind der Zineszinseffekt.
Wichtig ist dabei, wie teuer die Aktien sind. Das sind dann die Kosten, die euch die Ersparnis drücken. ZB. Bei 1% Gebühren würdet ihr nur noch 6% Renditen pro Jahr haben und das wären 1,06 hoch 10 = 1,79. Also nicht mehr das Doppelte.
Du siehst also, wie wichtig die Kosten sind. Da sie großen Einfluss auf den Zinseszinseffekt haben. Und der macht den Unterschied von Sparen zu Vermögensaufbau.
Deshalb macht man das am Besten mit ETF‘s, die sehr günstig in den Gebühren sind. Typische Sparkassenfonds kommen gerne mit 1-2% Gebühren, da Leute aktiv die Aktien verwalten (kaufen, verkaufen, anschauen, analysieren) Bei ETF kauft einfach ein Computeralgorithmus einen Index nach, der bestimmte Aktien als Schwerpunkt hat. Daher sind die Kosten sehr günstig. Mit 0,1 bis 0,5%.
Wichtig ist darauf zu achten, welcher Index - also Aktienschwerpunkt - nachgekauft wird. Es gibt thematische ETF‘s mit zB. Pharma oder Länderspezifische wie China. Da nur Profis wissen, wie und was sich positiv entwickelt und was vermutlich absacken wird, sollte man da als Anfänger die Finger von lassen. Daher solltet ihr es euch einfach machen und einen ETF kaufen, der breit gestreut ist und entweder die ganze Weltwirtschaft abbildet (World-ETF) oder den größten Teil des Aktienmarktes (S&P500 für die USA).
Dazu sollten die ETF‘s Thesaurierend sein, physikalisch replizierend (keine swaps) und ein großes volumen haben. Details dazu auf Nachfrage. Diese ETF‘s passen dazu:
Amundi Core MSCI World ETF (Welt ETF)
iShares S&P 500 ETF (USA ETF)
Dann solltest du darauf achten, bei welcher Bank ihr euer Depot eröffnet. Auch hier können einige Kosten entstehen. Denn die Banken unterscheiden sich in jährlicher Gebühr und in Kosten für den Kauf von Aktien (Ausgabeaufschlag). Günstig sind hier idR die Direktbanken/ Internetbanken.
Bei euerem Depot unbedingt den Freistellungsauftrag für die Kapitalertragssteuer auf Maximum setzen (1000€ Zinsen und Aktienerträge pro Person im Jahr sind steuerfrei)
Wenn ihr das Depot und Aktien gekauft habt, dann nicht mehr anfassen. Am Besten vergessen und nach 10 Jahren drüber freuen.
Die Aktienkurse kennen seit dem Lehman-Crash 2008 nur noch den Weg nach oben. Es wurde damals so viel Geld indirekt den Überreichen gegeben, dass die gar nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld. Das drückt die Preise von Aktien, Gold, Land, Immobilien nach oben. Klar es gibt mal Knicks, aber es geht nach oben. Da ich diese Welle mitsurfe, bin ich ein wenig wohlhabend geworden. Ohne mehr zu machen, als Aktien zu kaufen. Es ist verrückt, aber mit Aktien-ETF‘s wirst du immer vermögender. Viel Erfolg wünsche ich euch.
Disclaimer: Keine Vermögensberatung. Nur aus eigener Erfahrung geschrieben
Edit: Dann noch ein Nachtrag, weil ich den anderen Thread gelesen habe. Schaut auch nach dem Einzug ins Haus/ Wohnung auf eure laufenden Kosten. Viel Geld kann beim Essen und Urlaub gespart werden, ohne große Abstriche in der Lebensqualität. Also wenig Restaurantbesuche, wenig Kantine, wenig Fertigessen. Eher viel selber Kochen, einfrieren und auch Mitnehmen anstatt vor Ort kaufen. Urlaub lieber eine Ferienwohnung anstelle Hotel, All-in-Hotel oder Pauschreise.
GarbadgeGoober@feddit.org · 3 pts · 112d
Wie die anderen schon geschrieben haben, würde ich eher die Finger von den Fonds lassen. Etfs sind deutlich günstiger.
Am besten hier mal schauen: Einfache ETF Suche Würde dir einen World Etf empfehlen.
Da du aber eben auch sagst, dass du nicht was zu riskantes willst, würde ich nach 7-8 Jahren anfangen Teile schon zu verkaufen. Da du das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt brauchst, wäre es blöd wenn gerade da ein Börsencrash stattfindet und du ggf. sogar weniger hast.
Ideal für Einsteiger
Sollte Tagesgeld nicht soviel bringen, lohnen sich auch Anleihen. Vor allem evtl. die letzten 2-3 Jahre in kurzlaufende Staatsanleihen umschichten, da gibts auch an die 3-4%. Wichtig aber nur in Euro um Währungsrisiko auszuschließen.
brainwashed@feddit.org · 1 pts · 104d
Ich würde erst mal klarkommen bis fünf oder zehn Jahre sind. Wenn du das weißt, gibt es so genannte Fälligkeit Anleihenetfs, wo du dir am Endeeffekt ein Jahr raus suchst und dem die Anleihen dann, wieder der Name sagt, fällig werden. Das ist im Prinzip wie eine Art rollierende Festgeld mit dem du nahezu den Marktzins bis Stichtag bekommst. Hier beispielsweise Fonds, die bis 2031 laufen https://www.justetf.com/de/search.html?query=2031&search=ALL welcher Zins gilt siehst du jeweils auf der Seite des ETF. Prinzip kannst du den Sparplan dann auch jeden Monat hoch und runter setzen, wie's dir passt
Aktien ETF geht auch aber der kann natürlich auch ein Donald dazwischen kommen, der dann ein Monat vor eurem Kaufdatum die Märkte in den Keller schickt. Ob man sich so ein Risiko leisten kann, hängt dann auch von eurer Fähigkeit ab, im Zweifelsfall mehr Geld zu leihen.
Dayroom7485@lemmy.world · 1 pts · 113d
Hi,
ich kenne mich zu Mietkauf in Österreich nicht aus, dazu habe ich keinen Rat.
Zur Finanzierung aber schon: Wie viel Eigenkapital bringt ihr mit? Plant ihr, einen Kredit aufzunehmen? Und wie hoch ist der Kaufpreis?
Von Versicherungsprodukten rate ich ab, da zahlt ihr fette Gebühren.
Discover4516@feddit.org · 1 pts · 113d
Einen Kredit werden wir brauchen ja. Kaufpreis steht leider noch nicht fest, das ist einer der Nachteile von Mietkauf.
Eigenkapital bis in 5-10 Jahre schwer abzuschätzen. Im Grunde ist meine Frage ja, wie ich in diesen Zeitraum am besten mein Eigenkapital aufbauen soll ;)
Nach Einrichtung des Hauses bleiben uns noch ungefähr 40.000€ ab Herbst was am Konto liegen bleibt. Auto haben wir auch vor 2 Jahren gekauft, es sollten also demnächst keine größeren Ausgaben auf uns zukommen.
So wie ich das verstanden hab, zahlen wir mit der Miete einen Teil des Kredits zurück, den die Genossenschaft für den Bau aufgenommen hat. Unsere Einheit hat uns der Bauträger mit 379.000€ angegeben. Mit jeden Jahr in der Miete spart man sich auch 1% Umsatzsteuer.
Dayroom7485@lemmy.world · 2 pts · 113d
40TEUR Eigenkapital sind bei einem Kaufpreis von 380TEUR knapp bemessen. Würdet ihr heute die Wohnung kaufen wollen, wären nach 7% Kaufnebenkosten gerade mal 13.400EUR Eigenkapital übrig. Das würde eine Finanzierung von >90% bedeuten und entsprechend hohe Zinsen. Wie ist euer monatliches Haushaltseinkommen, wie sind eure Ausgaben? Ihr würdet ein hohes monatliches Einkommen benötigen, um von der Bank einen Kredit von >90% des Kaufpreises zu bekommen.
Bei der Anlage des Geldes musst du zwischen Rendite und Sicherheit wählen. Die sicherste Anlageform ist Tagesgeld oder ein Geldmarktfonds. Tagesgeld bekommst du bei Banken, z.B. Scalable Capital bietet gerade 2,5% pro Jahr. Das gleicht etwa die Inflation aus. Aber dein Vermögen wird sich nicht durch den Zinseszinseffekt vermehren, weil die Rendite so niedrig ist. Du wirst dein Vermögen nur durch Sparen vergrößern können.
Du kannst auch einen Geldmarktfonds wie den DBX0AN kaufen (link). Der ist ähnlich sicher wie Tagesgeld bei einer Bank und hat den Vorteil, dass du automatisch einen guten Zinssatz bekommst. Bei Banken musst du immer wieder wechseln, um dir gute Zinsen zu sichern, das kann nerven.
Alternativ kannst du dein Geld in einen Weltmarkt ETF investieren, z.B. in den MSCI World. Verglichen mit Tagesgeld gehst du hier ins Risiko - das bedeutet, dass du keine Garantie hast, dass dein Investment in 10 Jahren mehr wert ist als heute. Beim Festgeld hast du diese Garantie. Im Gegenzug ist die Wahrscheinlichkeit aber groß, dass dein Vermögen sich vermehrt im Laufe des Anlagezeitraums. Betrachte hierzu das Renditedreieck des MSCI World: Je länger du dein Geld in den MSCI World anlegst, ohne dein Investment anzufassen, desto größer ist die Chance, dass du eine positive jährliche Rendite erzielst. Hier würdest du einmalig 40TEUR einzahlen, und dann monatlich einen Sparplan einrichten, um dein Vermögen zu vermehren.
Hättest du zum Beispiel 2012 40TEUR in den MSCI World angelegt und 2022 wieder verkauft, hättest du eine jährliche Rendite von 9,8% erzielt, also 106TEUR in 2022 gehabt. In den vergangenen 31 Jahren ist die jährliche Rendite für zehnjährige Anlagen in den MSCI World in 29 Jahren positiv gewesen. Hättest du aber 1998 gekauft und in der Finanzkrise 2008 verkaufen müssen, hättest du eine negative jährliche Rendite von -6,2% erwirtschaftet.
Also:
divingdonkey@sh.itjust.works · 2 pts · 113d
Das ist ein exzellenter Post. Ich würde aber noch hinzufügen, dass ihr auch ruhig mehrere Strategien fahren könnt. Wenn ihr zB 50/50 in Tagesgeld und Etf splittet, entgeht euch zwar ein Teil des möglichen Gewinns, wenn ihr aber spontan Geld abheben müsst, kann sich das aber lohnen, wenn zb der Etf gerade kränkelt und ihr dann Verluste vermeidet weil ihr das Geld vom Tagesgeldkonto ziehen könnt.
Ihr könntet zb die 40k auf ein Tagesgeldkonto setzen, und euch dann voll aufs ETF konzentrieren. Wenn du in 10 Jahren kaufen willst, würde ich dementsprechend dann zB ab dem 7. Jahr immer wenn der Kurs gerade super steht einen Teil davon abziehen und aufs Tagesgeldkonto legen. Das schmälert wie bereits gesagt die theoretische Gewinnsumme, aber sicher ist sicher. Und wenn du in Jahren 7,8,9 jeweils ein bisschen abgezogen hat und im 10. Jahr crasht mal wieder die Weltwirtschaft, zertrümmert das euch gegebenfalls eben dann NICHT die Möglichkeit das Haus zu kaufen.
Ich muss aber auch erwähnen, dass ich kein Experte bin, und das hier meiner eher konservativen Strategie entspricht, der Fokus liegt definitiv stärker auf Sicherheit.
Dayroom7485@lemmy.world · 2 pts · 113d
Guter Punkt. Man kann auf jeden Fall die Investition aufteilen, um sie dem eigenen Risikoprofil anzupassen. Für eine konkrete Empfehlung müssen wir aber mehr über die Situation von OP wissen.
Das kann man so machen, aber ich empfehle bei dieser Herangehensweise vorher einen klaren Plan aufzustellen. Und sie nicht vom Aktienkurs abhängig zu machen. Ohne klaren Investitionsplan werden Investments schnell zum Casino.
Ein Plan wäre zum Beispiel:
Discover4516@feddit.org · 2 pts · 112d
Danke mal für deinen Rat. Tagesgeld höre ich heute zum ersten Mal.
Wie viel wir monatlich auf Seite legen können ist derzeit unklar da meine Frau dieses Jahr noch zuhause bei den Kindern ist.
Nächstes Jahr sehen wir dann wie viel meine Frau wieder arbeitet dann können wir uns mal genau ausrechnen wie viel übrig bleibt und was man davon "sparen" kann.
Wir haben keine Erfahrungen mit Aktien, nein.
Das gute beim Mietkauf ist, dass wir es nicht genau nach 10 Jahren kaufen müssen. Im Worst Case bleiben wir in der Miete.
Edit: Was ich bei dem ganzen Thema nie verstehe. Man wird immer gefragt wie viel Eigenkapital ich habe.
Das kann ich (man) doch nicht 10 Jahre im Vorraus berechnen? Wie teuer das Haus dann sein wird, wissen wir auch noch nicht. Ein Nachteil des Mietkaufmodells. Aber so tu ich mich schwer auf irgendeine Summe hinzuarbeiten. Ich möchte eigentlich was monatlich übrig bleibt irgendwo einzahlen und in 5-10 Jahren sehen wir weiter...
Dayroom7485@lemmy.world · 1 pts · 112d
Deine Antwort ist sehr hilfreich, um dich besser beraten zu können. Die Antwort, die ich dir gebe, basiert auf der Bogleheads Investmentstrategie des passiven Investierens. Wenn du tiefer in das Thema einsteigen willst, kannst du dir diese Videos anschauen.
Verständlich. Ich empfehle, eure Einnahmen und Ausgaben für einen Monat aufzuschreiben. Das ist eine zuverlässige Methode, um zu berechnen, wie viel Geld ihr pro Monat sparen könnt.
Gut, es ist kein Hexenwerk. Die wichtigste Regel ist, dass ihr einem langfristigen Plan folgt. Impulsverkäufe, z.B. weil es Krieg, Pandemie, andere Krisen gibt oder weil man ein neues Auto oder einen schönen Urlaub möchte, sind ein zuverlässiger Weg, Vermögen zu verlieren. Traust du dir zu, langfristig zu investieren? Dann hast du alles, was es braucht.
Dadurch, dass ihr flexibel seid, empfehle ich, in einen Weltmarkt ETF zu investieren. Folgender Plan:
Wenn du diesem Plan folgst, wirst du in 10 Jahren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr Vermögen haben, als wenn du auf einem Tagesgeldkonto Geld sparst. Welt-ETFs haben langfristige Renditen von 4 bis 6 % pro Jahr, Tagesgeld um die 2 %. Legst du z.B. heute 30TEUR in einen Weltmarkt ETF an mit 5 % Rendite pro Jahr und kaufst mit einem monatlichen Sparplan Anteile für 100 EUR, hast du in 10 Jahren 65TEUR. Bei einem Sparplan von 500EUR monatlich sind es 127TEUR.
Mit Sicherheit kann das niemand berechnen, da hast du recht. Aber wir können mit wahrscheinlichen Szenarien rechnen. Bei einem Weltmarkt-ETF 4-6 % Rendite jährlich über 10 Jahre, bei Tagesgeld etwa 2 %. Mit einem Zinsenszinsrechner, hier z.B., kannst du dann ausrechnen, wie viel Eigenkapital du in 10 Jahren wahrscheinlich haben wirst.
Den Kaufpreis kann dir auch niemand mit Sicherheit sagen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass er in 10 Jahren mindestens so hoch sein wird wie heute, wahrscheinlich höher. Auch hier kannst du mit Zinseszinsrechnern Szenarien berechnen, 1-2 % Teuerung pro Jahr sind realistisch bei Immobilien.
Discover4516@feddit.org · 2 pts · 111d
Danke für die ganzen Infos.
Sieht so aus als geht alles Richtung World ETF - also eh wie mir der Versicherungsvertreter empfohlen hat (das wäre so eine Lebensversicherung gewesen wo man in einen Worls ETF einzahlt).
Fühle mich da aber bei einer Bank besser aufgehoben. Ich denke ich werd mal bei meiner Hausbank anfragen. Online traue ich mich da bei dem Thema nicht so recht...
Dayroom7485@lemmy.world · 1 pts · 111d
Gerne. Wenn du mit deiner Bank sprichst, beharre auf geringen laufende Gebühren, die sogenannte TER.
Der iShares MSCI World hat laufende Gebühren von 0.2% der Anlagesumme pro Jahr. Der Vanguard FTSE All World 0.19%. Alle Angebote, die höhere laufende Kosten haben, sind Abzocke.
Discover4516@feddit.org · 1 pts · 110d
Ok die Werte nehm ich mir mal mit dann schaue ich was meine Hausbank da so hat.
Danke!