Ausgerechnet den ADAC für einen Vergleich heranzuziehen finde ich schwierig.
Einerseits ist das eine gefühlt extra kompliziert organisierte Geflecht an Betrieben und Vereinen, aber doch auch ein Beispiel für Selbstorganisation und moralisch vertretbarer Daseinsberechtigung. Immerhin bringen sie mit ihrem Hauptanliegen, deren Ansatz und Nutzen mir gar nicht mal so schlecht scheint, nicht wenige dazu diese (anteilig?) mit zu finanzieren und sich Mitglied und nicht nur Kundschaft zu begreifen. Manche Produkte scheinen mir außerdem mindestens mal theoretisch auch nicht nur aus der Luft gegriffene und aus künstlich erzeugten/angeregten Bedürfnissen entstanden zu sein.
Es wäre aus meiner Sicht doch wünschenswert wenn über alle seriösen Gewerkschaften hinweg in Deutschland oder überhaupt ein so hoher Organisierungsgrad gegeben wäre und sie eine vergleichbare Reichweite hätten. (ich fürchte außerhalb von eh politischen Leuten treten eh wenige bis keine bei. Aber selbst wenn einige erst einmal "nur" wegen dem Rechtsschutz (im einfachen oder doppelten Wortsinn) oder um die Tarifbindung für ihre Lohnarbeit mitzunehmen eintreten, im ADAC sind die allermeisten ja auch nur wegen der Pannenhilfe. Alles darüber hinaus lässt sich doch nach und nach von Funktionären bzw. den Mitgliedern entwickeln und fördern.
Glaube, wir meinen gar nicht so unterschiedliche Dinge. Mir geht es bei dem Satz vor allem darum, dass Gewerkschaften nicht zu reinen Serviceorganisationen werden sollten. Eine breite Mitgliedschaft finde ich natürlich auch wünschenswert, aber eben mit dem gewerkschaftlichen Gedanken dahinter und nicht nur als Versicherung für den Einzelnen.
Das kann gut sein. Als reine Serviceorganisation bliebe eine Gewerkschaft aus meiner Sicht auch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dadurch das die allermeisten von uns vom Geld abhängig sind und uns im Grunde fast nur übrig bleibt die eigene Arbeitskraft dafür zu verkaufen könnten wir in einer solchen Organisation so viel abbilden und erschaffen was uns alle, als Klasse, betrifft. Eine eigene Sterbekasse, Mengenrabatte bei gewerkschaftsfreundlichen oder belegschaftsgeführten Betrieben, Gruppen für gemeinsame Hobbys, Kultur, Sport usw. - ein wahrlich soziales Netzwerk bei der die Leute auf einer soliden Basis stabil auf die Welt blicken.
Wenn es Gewerkschaften ernstmeinen mit der Gegenmacht, dann würde ich erst einmal versuchen möglichst viele Lohnabhängige anzusprechen, anzuziehen und ja, gewissermaßen auch zu locken. Aber wenn die "oberflächlichen" Mitglieder durch andere, vom Sinn und Zweck "überzeugte"/klassenbewusste Mitglieder darauf aufmerksam werden, dass ihre Mitgliedschaft einen Unterschied macht, die Verhandlungsmacht durch sie angewachsen ist und sie dadurch in Zukunft vielleicht noch mehr vom Kuchen (oder sogar irgendwann die ganze Bäckerei) bekommen, werden sie wohlmöglich ebenso pro-aktive, begeisterte und "überzeugte" Mitglieder, die daraufhin weitere Leute anziehen und/oder das kulturelle "Innenleben" in der Gewerkschaft tragen, gestalten, attraktiv und mächtig machen.
4 Comments
Natur12@feddit.org · 1 pts · 28d
"Gewerkschaften nicht zum ADAC der Arbeiterbewegung werden dürfen." 👍
123@feddit.org · 4 pts · 28d
Ausgerechnet den ADAC für einen Vergleich heranzuziehen finde ich schwierig.
Einerseits ist das eine gefühlt extra kompliziert organisierte Geflecht an Betrieben und Vereinen, aber doch auch ein Beispiel für Selbstorganisation und moralisch vertretbarer Daseinsberechtigung. Immerhin bringen sie mit ihrem Hauptanliegen, deren Ansatz und Nutzen mir gar nicht mal so schlecht scheint, nicht wenige dazu diese (anteilig?) mit zu finanzieren und sich Mitglied und nicht nur Kundschaft zu begreifen. Manche Produkte scheinen mir außerdem mindestens mal theoretisch auch nicht nur aus der Luft gegriffene und aus künstlich erzeugten/angeregten Bedürfnissen entstanden zu sein.
Es wäre aus meiner Sicht doch wünschenswert wenn über alle seriösen Gewerkschaften hinweg in Deutschland oder überhaupt ein so hoher Organisierungsgrad gegeben wäre und sie eine vergleichbare Reichweite hätten. (ich fürchte außerhalb von eh politischen Leuten treten eh wenige bis keine bei. Aber selbst wenn einige erst einmal "nur" wegen dem Rechtsschutz (im einfachen oder doppelten Wortsinn) oder um die Tarifbindung für ihre Lohnarbeit mitzunehmen eintreten, im ADAC sind die allermeisten ja auch nur wegen der Pannenhilfe. Alles darüber hinaus lässt sich doch nach und nach von Funktionären bzw. den Mitgliedern entwickeln und fördern.
Natur12@feddit.org · 1 pts · 27d
Glaube, wir meinen gar nicht so unterschiedliche Dinge. Mir geht es bei dem Satz vor allem darum, dass Gewerkschaften nicht zu reinen Serviceorganisationen werden sollten. Eine breite Mitgliedschaft finde ich natürlich auch wünschenswert, aber eben mit dem gewerkschaftlichen Gedanken dahinter und nicht nur als Versicherung für den Einzelnen.
123@feddit.org · 1 pts · 27d
Das kann gut sein. Als reine Serviceorganisation bliebe eine Gewerkschaft aus meiner Sicht auch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dadurch das die allermeisten von uns vom Geld abhängig sind und uns im Grunde fast nur übrig bleibt die eigene Arbeitskraft dafür zu verkaufen könnten wir in einer solchen Organisation so viel abbilden und erschaffen was uns alle, als Klasse, betrifft. Eine eigene Sterbekasse, Mengenrabatte bei gewerkschaftsfreundlichen oder belegschaftsgeführten Betrieben, Gruppen für gemeinsame Hobbys, Kultur, Sport usw. - ein wahrlich soziales Netzwerk bei der die Leute auf einer soliden Basis stabil auf die Welt blicken.
Wenn es Gewerkschaften ernstmeinen mit der Gegenmacht, dann würde ich erst einmal versuchen möglichst viele Lohnabhängige anzusprechen, anzuziehen und ja, gewissermaßen auch zu locken. Aber wenn die "oberflächlichen" Mitglieder durch andere, vom Sinn und Zweck "überzeugte"/klassenbewusste Mitglieder darauf aufmerksam werden, dass ihre Mitgliedschaft einen Unterschied macht, die Verhandlungsmacht durch sie angewachsen ist und sie dadurch in Zukunft vielleicht noch mehr vom Kuchen (oder sogar irgendwann die ganze Bäckerei) bekommen, werden sie wohlmöglich ebenso pro-aktive, begeisterte und "überzeugte" Mitglieder, die daraufhin weitere Leute anziehen und/oder das kulturelle "Innenleben" in der Gewerkschaft tragen, gestalten, attraktiv und mächtig machen.