Mein persönliche Wahrnehmung bei meinen Kindern ist: die Gewalt und Bösartigkeit aus Märchen finden die gar nicht schlimm, weil das irgendwie abstrakt ist und in deren Lebensrealität (noch) nicht vorkommt.
Da sind teilweise die Sachen, die heute für Kinder produziert werden, emotional viel schlimmer. Meine Tochter kam neulich von einem Conni Hörbuch aufgewühlt, weinend und zitternd, zu mir. Da war ein Mädchen in dem Hörbuch absichtlich gemein zu Conni, und Conni hat dann ungerechtfertigterweise Ärger bekommen 😅. Da war meine Tochter richtig fertig, weil sie relatieren konnte.
Während sie mir (witzigerweise gerade heute im Gebrüder Grimm Museum) ganz fröhlich und nonchalant erklärt hat, wie dem bösen Wolf der Bauch aufgeschnitten wird, damit Rotkäppchen und die Großmutter wieder rauskönnen. Frag' ich sie "tut das dem Wolf denn nicht aber weh, wenn man ihm den Bauch aufschneidet?", sagt sie "Hä? Ne, der schläft doch ¯\_(ツ)_/¯"
Bäuche aufschneiden kommt halt in ihrer Realität nicht vor, ungerechte Behandlung durch Autoritätspersonen kennt sie aber und kann es einordnen. Ist also emotional, nach Außen, wohl deutlich schlimmer für sie.
Bitte Kunstmärchen (Struwwelpeter etc.) und die "echten" Märchen, im Kern uralte vorhistorische Erzählungen, nicht vermischen, dazwischen liegen Welten. Und bitte auch verstehen, dass Symbolik in Märchen bei Kindern ganz anders ankommt (auf sehr tiefen Ebenen), als eine wortwörtliche, rein intellektuelle Textanalyse vermuten lässt.
Also das Buch Struwwelpeter sollte den Kindern wohl beibringen nicht mit Feuer zu spielen sonst sterben Menschen, keine Tiere oder andere Menschen zu ärgern. Finde die Idee dahinter schon korrekt, auch wenn ich verstehe das es Leute heute zu gewalttätig finden.
Sie hofft auch darauf, dass ihre Kinder durch andere Klassiker – wie etwa die Bücher von Astrid Lindgren – aufhören, die Welt in Gut und Böse aufzuteilen, und eher beginnen, an Problemlösungen zu denken.
Das Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK) (externer Link) hingegen kommt bei Märchenlektüre zu einem anderen Fazit. Es geht davon aus, dass "sprachliche Kenntnisse gelehrt [werden] und ein erster Einstieg ins Lesen und die Welt der Geschichten ermöglicht" wird.
Äh, und bei Astrid Lindgren (mit eigenen problematischen Begriffen in manchen Büchern) lernt man keine sprachlichen Kenntnisse? Da gibt's keinen Einstieg ins Lesen und die Welt der Geschichten? Nein, dafür braucht's bizarre Gewalt.
10 Comments
Lumidaub@feddit.org · 15 pts · 11d
Übersetzung: eine Influencerin hat gepostet, dass sie ihren Kindern keine Märchen vorliest, und kriegt dafür Zustimmung.
Kazel@feddit.org · 2 pts · 10d
Übersetzung: irgendeine Nuss
kossa@feddit.org · 7 pts · 11d
Mein persönliche Wahrnehmung bei meinen Kindern ist: die Gewalt und Bösartigkeit aus Märchen finden die gar nicht schlimm, weil das irgendwie abstrakt ist und in deren Lebensrealität (noch) nicht vorkommt.
Da sind teilweise die Sachen, die heute für Kinder produziert werden, emotional viel schlimmer. Meine Tochter kam neulich von einem Conni Hörbuch aufgewühlt, weinend und zitternd, zu mir. Da war ein Mädchen in dem Hörbuch absichtlich gemein zu Conni, und Conni hat dann ungerechtfertigterweise Ärger bekommen 😅. Da war meine Tochter richtig fertig, weil sie relatieren konnte.
Während sie mir (witzigerweise gerade heute im Gebrüder Grimm Museum) ganz fröhlich und nonchalant erklärt hat, wie dem bösen Wolf der Bauch aufgeschnitten wird, damit Rotkäppchen und die Großmutter wieder rauskönnen. Frag' ich sie "tut das dem Wolf denn nicht aber weh, wenn man ihm den Bauch aufschneidet?", sagt sie "Hä? Ne, der schläft doch ¯\_(ツ)_/¯"
Bäuche aufschneiden kommt halt in ihrer Realität nicht vor, ungerechte Behandlung durch Autoritätspersonen kennt sie aber und kann es einordnen. Ist also emotional, nach Außen, wohl deutlich schlimmer für sie.
muelltonne@feddit.org · 2 pts · 11d
Abgesehen von der stetig vorhandenen Gewalt: Manche der in den Märchen steckenden Moral ist auch hart merkwürdig aus der Zeit gefallen.
D_a_X@feddit.org · 6 pts · 11d
Märchen haben immer ein Happy End für die "Guten". Für kleine Kinder eine wichtige Message. Das Leben wird später von alleine kompliziert.
You@feddit.org · 2 pts · 11d
< Märchen haben immer ein Happy End für die "Guten".
Hans Christian Andersen betritt den Raum...
ladicius@lemmy.world · 3 pts · 11d
Bitte Kunstmärchen (Struwwelpeter etc.) und die "echten" Märchen, im Kern uralte vorhistorische Erzählungen, nicht vermischen, dazwischen liegen Welten. Und bitte auch verstehen, dass Symbolik in Märchen bei Kindern ganz anders ankommt (auf sehr tiefen Ebenen), als eine wortwörtliche, rein intellektuelle Textanalyse vermuten lässt.
GenosseFlosse@feddit.org · 1 pts · 11d
Also das Buch Struwwelpeter sollte den Kindern wohl beibringen nicht mit Feuer zu spielen sonst sterben Menschen, keine Tiere oder andere Menschen zu ärgern. Finde die Idee dahinter schon korrekt, auch wenn ich verstehe das es Leute heute zu gewalttätig finden.
zakobjoa@lemmy.world · 2 pts · 11d
Äh, und bei Astrid Lindgren (mit eigenen problematischen Begriffen in manchen Büchern) lernt man keine sprachlichen Kenntnisse? Da gibt's keinen Einstieg ins Lesen und die Welt der Geschichten? Nein, dafür braucht's bizarre Gewalt.
gandalf_der_13te@feddit.org · 1 pts · 11d
ich erfinde tendenziell einfach meine eigenen märchen und erzähle die dann ... kommen meist gut an.