Wenn die Mehrwertsteuer abgeschafft wird, werden die Preise über drei Monate verschmiert um 7%¹ angehoben. Genau dasselbe, was bei der Reduzierung der Energiesteuer 2022 passiert ist.
Der Markt wird dafür sorgen, dass die Preise so hoch sind, wie es sich die Leute noch leisten können. Wenn 7% erzwungene Ausgaben wegfallen, sind das 7% Mehrgewinn für die Hersteller.
Das kann eine relativ einfache Rechnung sein. Steigt die Umsatzrendite über z.B. 33% werden zusätzliche Abgaben fällig. Kann das Unternehmen mit Investitionen gegenwirken. Den exakten Prozentsatz kann man aus der Vergangenheit der Branche ableiten.
Die SPD bringt nun einen Vorschlag ein, mit dem sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte, den "Deutschlandkorb". Die Idee: Grundnahrungsmittel aus Deutschland soll der Einzelhandel freiwillig günstiger anbieten.
LOL, als ob.
Die Linke hat selbst schon öfter über eine vergleichbare Idee nachgedacht, kommt aber am Ende zu einem anderen Schluss. Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner schlägt vor, alternativ die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Brot und Hülsenfrüchte zu senken oder gleich ganz abzuschaffen. Die Krise sei so akut, dass eine Streichung der Mehrwertsteuer viel unkomplizierter und unbürokratischer sei, so Schwerdtner.
Das wäre doch mal was konstruktives! Oder bedenke ich da irgendwelche Faktoren falsch?
Auch die Grünen und der Verbraucherzentrale Bundesverband unterstützen die Senkung oder Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Und bei einer anderen Idee sind sie sich ebenfalls mit der Linkspartei einig: Sie wünschen sich eine staatliche Preisbeobachtungsstelle. Dort soll transparent gemacht werden, wenn Preise steigen, Packungsgrößen kleiner werden oder plötzlich billigere, aber gleichzeitig minderwertigere Zutaten benutzt werden. In anderen EU-Ländern wie Italien oder Frankreich gibt es bereits staatliche Preisbeobachtungsstellen.
Auf was stützt du deine Argumentation, dass die Mehrwertsteuersenkungen nicht weitergegeben werden? Die temporäre Senkung 2020 während der Corona-Pandemie wurde beispielsweise (fast) komplett weitergegeben:
ZEW-Studie: "Insgesamt wurden rund 86% der Steuersenkungen an die Verbraucher weitergegeben"
ifo-Studie: "Es zeigt sich, dass die Steuersenkung zu einer Senkung der Preise um durchschnittlich 2% geführt hat. Das entspricht einer vollständigen Weitergabe der Steuersenkung"
Gibt auch zusätzliche Studien aus Portugal und Spanien, die zum selben Ergebnis kommen.
Was müsste hier noch weiter analysiert werden? Es mag andere Steuersenkungen geben, die nicht weitergegeben werden, aber ich sehe in diesem Fall keine Evidenz dafür.
Ob man die Maßnahme für sinnvoll hält, ist nochmal eine andere Frage. Dazu würde ich nur folgende Frage stellen: Wenn du dir die Steuern neu ausdenken müsstest, würdest du Steuern auf Grundnahrungsmittel erheben?
Da Fallen mir auf Anhieb sehr viel bessere Bereiche ein, die man zur Erhöhung der Einkommenseite heranziehen kann, bspw. die Erbschaftsteuer oder Vermögensteuer.
Österreich reduziert dieses Jahr die Steuer auf Grundnahrungsmittel, dazu gibt es auch Berechnungen wie diese hier zu den Auswirkungen auf die Haushalte.
Als 2022 die Energieabgabe auf Kraftstoffe gesenkt wurde, gab’s eine kurze, aber nicht erhebliche Senkung der Spritpreise, die sich aber ziemlich schnell wieder in Luft aufgelöst hat.
Die SPD bringt nun einen Vorschlag ein, mit dem sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte, den "Deutschlandkorb". Die Idee: Grundnahrungsmittel aus Deutschland soll der Einzelhandel freiwillig günstiger anbieten. So könne man die Verbraucher entlasten und gleichzeitig die deutschen Erzeuger stärken, erläutert der SPD-Bundestagsabgeordnete Esra Limbacher.
Ich kann nicht mehr...
Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner schlägt vor, alternativ die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Brot und Hülsenfrüchte zu senken oder gleich ganz abzuschaffen. Die Krise sei so akut, dass eine Streichung der Mehrwertsteuer viel unkomplizierter und unbürokratischer sei, so Schwerdtner.
Auch die Grünen und der Verbraucherzentrale Bundesverband unterstützen die Senkung oder Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Und bei einer anderen Idee sind sie sich ebenfalls mit der Linkspartei einig: Sie wünschen sich eine staatliche Preisbeobachtungsstelle.
Das finde ich auf den ersten Blick besser aber aber wie garantiert man, dass das dauerhaft beim Verbraucher ankommt und nicht am Ende in den Taschen der Lebensmittelindustrie landet?
Ist eigentlich irgendwo beschrieben, welche "Grund"nahrungsmittel man sich in diesem Deutschlandkorb so vorstellen kann? Wenn es nur darum geht, irgendwie Kalorien reinzubekommen ohne Wert auf Vielfalt, Ausgewogenheit und Herkunft zu legen, kommt man doch heute schon ziemlich billig weg bei Lebensmitteln. Kartoffeln, Haferflocken, Mehl, Nudeln, Reis, Linsen etc. alles für sehr kleines Geld zu bekommen. Wenn man den Deutschlandkorb auch auf Gewürze, Soßen, Gemüse, Fertigprodukte, Getränke etc. ausweitet - was wäre dann denn nicht Teil des Korbs? Die Supermärkte werden wohl kaum das gesamte Lebensmittelsortiment mal eben 10% reduzieren. Und ich würde ihnen sogar abkaufen, dass die Margen so viel Spielraum gar nicht hergeben. Wenn überhaupt ginge das nur, indem sie noch mehr Druck an die Erzeuger ausüben als ohnehin schon.
Das Ding wird einfach an der Fleischfrage abbrennen. Natürlich ist Fleisch teuer und Luxus und auch umweltschädlich und kann damit nicht Bestandteil so eines Korbes sein. Ein vegetarischer oder gar veganer "Deutschlandkorb" ist aber etwas, das mit einer CDU/CSU und der mächtigen Bauernfleischlobby wohl kaum machbar sein wird.
Wir leben in einer Welt, in der der Anteil Europas am globalen Sozialprodukt fällt. Wechselkurse fallen nicht mehr zu unserem Vorteil aus. Wir haben keine günstige Energie mehr. Wenn wir nicht schnell wieder Exportweltmeister werden, dann ist doch klar, dass alle weniger bekommen.
Da es nur schwer Lohnkürzungen gibt, müssen die Preise steigen. Das wird so lange passieren, bis sich der Lebensstandard weltweit angeglichen hat. Da die Resourcen begrenzt sind, heisst das, die meisten werden sich vieles nicht mehr leisten können.
25 Comments
UnexpectedBehavior@lemmy.world · 43 pts · 226d
Die Linke redet seit Ewigkeiten genau darüber. Und Lösungsvorschläge liegen seit Jahren auf dem Tisch.
Doch der Ein-Themen-Kanzler zweiter Wahl kümmert sich lieber um seine reichen Buddies und redet denen nach dem Mund
Goldholz@lemmy.blahaj.zone · 6 pts · 226d
Lass bitte nicht so tun als wäre das überraschend wie Merz regiert
einkorn@feddit.org · 4 pts · 226d
Dritter Wahl sogar. Er hat erst gegen Mutti den Kürzeren gezogen und anschließend gegen Armin
Lusche... Laschet.killingspark@feddit.org · 4 pts · 225d
Und dann fast noch gegen sich selbst
brainwashed@feddit.org · 1 pts · 226d
was sind die Lösungsvorschläge? Subventionen, Preiskontrolle oder beides?
UnexpectedBehavior@lemmy.world · 4 pts · 226d
Z.B. Abschaffen der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel oder Übergewinnsteuern erheben.
bleistift2@sopuli.xyz · 3 pts · 226d
Wenn die Mehrwertsteuer abgeschafft wird, werden die Preise über drei Monate verschmiert um 7%¹ angehoben. Genau dasselbe, was bei der Reduzierung der Energiesteuer 2022 passiert ist.
Der Markt wird dafür sorgen, dass die Preise so hoch sind, wie es sich die Leute noch leisten können. Wenn 7% erzwungene Ausgaben wegfallen, sind das 7% Mehrgewinn für die Hersteller.
[1] Ich weiß, dass Mathe so nicht funktioniert.
brainwashed@feddit.org · -1 pts · 226d
Ach die Übergewinne. Kann dann ja die über Gewinn Kommission festlegen wo die anfangen.
Geringere Steuern jedenfalls sind top!
UnexpectedBehavior@lemmy.world · 4 pts · 226d
Das kann eine relativ einfache Rechnung sein. Steigt die Umsatzrendite über z.B. 33% werden zusätzliche Abgaben fällig. Kann das Unternehmen mit Investitionen gegenwirken. Den exakten Prozentsatz kann man aus der Vergangenheit der Branche ableiten.
Captain_Baka@feddit.org · 23 pts · 226d
LOL, als ob.
Das wäre doch mal was konstruktives! Oder bedenke ich da irgendwelche Faktoren falsch?
So eine Einrichtung ist schon lange überfällig.
Shyze3D@feddit.nl · 5 pts · 226d
hopez@feddit.org · 2 pts · 226d
Auf was stützt du deine Argumentation, dass die Mehrwertsteuersenkungen nicht weitergegeben werden? Die temporäre Senkung 2020 während der Corona-Pandemie wurde beispielsweise (fast) komplett weitergegeben:
ZEW-Studie: "Insgesamt wurden rund 86% der Steuersenkungen an die Verbraucher weitergegeben"
ifo-Studie: "Es zeigt sich, dass die Steuersenkung zu einer Senkung der Preise um durchschnittlich 2% geführt hat. Das entspricht einer vollständigen Weitergabe der Steuersenkung"
Shyze3D@feddit.nl · 1 pts · 224d
hopez@feddit.org · 2 pts · 224d
Gibt auch zusätzliche Studien aus Portugal und Spanien, die zum selben Ergebnis kommen.
Was müsste hier noch weiter analysiert werden? Es mag andere Steuersenkungen geben, die nicht weitergegeben werden, aber ich sehe in diesem Fall keine Evidenz dafür.
Ob man die Maßnahme für sinnvoll hält, ist nochmal eine andere Frage. Dazu würde ich nur folgende Frage stellen: Wenn du dir die Steuern neu ausdenken müsstest, würdest du Steuern auf Grundnahrungsmittel erheben? Da Fallen mir auf Anhieb sehr viel bessere Bereiche ein, die man zur Erhöhung der Einkommenseite heranziehen kann, bspw. die Erbschaftsteuer oder Vermögensteuer.
Österreich reduziert dieses Jahr die Steuer auf Grundnahrungsmittel, dazu gibt es auch Berechnungen wie diese hier zu den Auswirkungen auf die Haushalte.
bleistift2@sopuli.xyz · 1 pts · 226d
Als 2022 die Energieabgabe auf Kraftstoffe gesenkt wurde, gab’s eine kurze, aber nicht erhebliche Senkung der Spritpreise, die sich aber ziemlich schnell wieder in Luft aufgelöst hat.
trollercoaster@sh.itjust.works · 19 pts · 226d
Es ist wieder irgendwo Wahl, die SPD hat ihr soziales halbes Jahr.
Lasst Euch nicht verarschen.
comrade_twisty@feddit.org · 5 pts · 226d
Das ist aber freiwillig und nicht verpflichtend, oder?
trollercoaster@sh.itjust.works · 6 pts · 226d
Das ist ja der Witz. Das kann man sogar als Gesetz "umsetzen", ohne, dass es reale Konsequenzen hat.
Die SPD versucht nur mal wieder die Leute zu verarschen, dass sie glauben, das wäre eine soziale Partei.
SapphireSphinx@feddit.org · 9 pts · 226d
Ich kann nicht mehr...
Das finde ich auf den ersten Blick besser aber aber wie garantiert man, dass das dauerhaft beim Verbraucher ankommt und nicht am Ende in den Taschen der Lebensmittelindustrie landet?
jenesaisquoi@feddit.org · 3 pts · 226d
Steigende Lebensmittelpreise bekämpft man, indem man den Klimawandel bekämpft. Das ist die Hauptursache.
rumschlumpel@feddit.org · 2 pts · 226d
CxU/FDP/AfD so: Ja, das soll so. Vielleicht machen wir den Unternehmern aber noch ein paar Steuergeschenke.
rbn@sopuli.xyz · 2 pts · 226d
Ist eigentlich irgendwo beschrieben, welche "Grund"nahrungsmittel man sich in diesem Deutschlandkorb so vorstellen kann? Wenn es nur darum geht, irgendwie Kalorien reinzubekommen ohne Wert auf Vielfalt, Ausgewogenheit und Herkunft zu legen, kommt man doch heute schon ziemlich billig weg bei Lebensmitteln. Kartoffeln, Haferflocken, Mehl, Nudeln, Reis, Linsen etc. alles für sehr kleines Geld zu bekommen. Wenn man den Deutschlandkorb auch auf Gewürze, Soßen, Gemüse, Fertigprodukte, Getränke etc. ausweitet - was wäre dann denn nicht Teil des Korbs? Die Supermärkte werden wohl kaum das gesamte Lebensmittelsortiment mal eben 10% reduzieren. Und ich würde ihnen sogar abkaufen, dass die Margen so viel Spielraum gar nicht hergeben. Wenn überhaupt ginge das nur, indem sie noch mehr Druck an die Erzeuger ausüben als ohnehin schon.
JensSpahnpasta@feddit.org · 8 pts · 226d
Das Ding wird einfach an der Fleischfrage abbrennen. Natürlich ist Fleisch teuer und Luxus und auch umweltschädlich und kann damit nicht Bestandteil so eines Korbes sein. Ein vegetarischer oder gar veganer "Deutschlandkorb" ist aber etwas, das mit einer CDU/CSU und der mächtigen Bauernfleischlobby wohl kaum machbar sein wird.
MeGustaBrainrot@feddit.org · 1 pts · 224d
Vegan von 75€ im Monat täglich frisch kochen und die Linke wählen
trollercoaster@sh.itjust.works · 1 pts · 225d
Einfach die Reichen essen. Wenn man die selbst zubereitet, ist das kostenlos, muss man wissen.
bobby@lemmy.dbzer0.com · 1 pts · 226d
Zapzarap!
plyth@feddit.org · 1 pts · 226d
Wir leben in einer Welt, in der der Anteil Europas am globalen Sozialprodukt fällt. Wechselkurse fallen nicht mehr zu unserem Vorteil aus. Wir haben keine günstige Energie mehr. Wenn wir nicht schnell wieder Exportweltmeister werden, dann ist doch klar, dass alle weniger bekommen.
Da es nur schwer Lohnkürzungen gibt, müssen die Preise steigen. Das wird so lange passieren, bis sich der Lebensstandard weltweit angeglichen hat. Da die Resourcen begrenzt sind, heisst das, die meisten werden sich vieles nicht mehr leisten können.