China hat als kommunistischer Staat ganz klassische Fünfjahrespläne. Diese sehen den hochsubventionierten Aufbau diverser Industrien vor. Und Überraschung: in einem dieser letzten fünf Jahrespläne war der Aufbau einer heimischen chinesischen Automobilindustrie vorgesehen. Es hat einen Grund, warum BYD plötzlich so gewaltig auf dem Weltmarkt auftaucht. Es wurde nämlich mit massiven Subventionen gezielt gefördert. Das war bekannt. Das war sowohl den europäischen Autobauern bekannt, als auch der Europäischen Union. Man hat das allerdings gnadenlos verschlafen und keine Ahnung worauf gehofft. Es war vollkommen klar, dass irgendwann chinesische Autos in Massen auf den europäischen Markt strömen und dass China im heimischen Markt die heimische Industrie pushen wird.
Ist doch ganz einfach, mit dem neoliberalen Weltbild ist klar, dass Subventionen niemals zu effizienten und wettbewerbsfähigen Industrien führen. Daran ist schließlich schon die Sowjetunion zugrunde gegangen und man ist wie selbstverständlich davon ausgegangen dass das in China auch so läuft. Nur Wettbewerb und freies Wirtschaften erschafft erfolgreiche Unternehmen.
Mit dem Gedanken erklärt sich auch das Nichtstun, unser Wirtschaftssystem ist ja eh schon inhärent besser und wird sich am Markt schon durchsetzen...oder so.
Edit: besonders lustig aus deutscher Perspektive, wo unsere Industrien doch ganz erheblich von den Nazis mit Zwangsarbeit aufgebaut wurden.
Die Chinesen haben da ein erstaunliches Modell: Sie hauen 5 Jahre Subventionen rein, bauen gewaltige Überkapazitäten auf und dann streichen sie die Subventionen und lassen die Firmen im freien Markt quasi gegeneinander kämpfen. Die subventionieren also nicht irgendwelche struggelnden Geschäftsmodelle, sondern sagen sich "Hey, wir wollen eine Klemmbaustein-Industrie". Dann wird die 5 Jahre schön gepäppelt, Überkapazitäten aufgebaut und am Ende des Zeitraumes setzen sich dann ein paar Firmen durch. Für die so angegriffene ausländische Konkurrenz ist das hart tödlich: Du musst erstmal 5 Jahre gegen die stark subventionierte neue chinesische Konkurrenz bestehen und dann gibt es eine Überkapazität, die fleißig die Weltmärkte flutet. Die chinesische Regierung sorgt dann natürlich auch fleißig dafür, dass du mit deinen Importen Probleme bekommst
Vor allem macht Deutschland das oft auch recht ähnlich nur nicht ganz so aggressiv. Die deutsche Industrie kriegt riesige Subventionen mit billigen Krediten und wenn es Probleme gibt, dann auch durch ganz öffentliche Förderung. Deshalb heulen die Automanager auch so laut, da die auf die Subventionen von Merz und co warten.
Natürlich. Den nach wie vor großen Gewinn der letzten Jahre gnadenlos in Forschung und Entwicklung ballern, statt in Dividenden. Technologievorsprung war bisher die Existenzgrundlage der Deutschen - was sie bei Verbrennern nach wie vor haben, aber bei batterieelektrischen Systemen total verkackt haben. Die Chinesen sind nicht nur billiger, sie sind vor allem besser. Billiger sind sie nicht weil deren Löhne tiefer sind, sondern weil sie keine 20% Rendite rauspressen.
Natürlich. Den nach wie vor großen Gewinn der letzten Jahre gnadenlos in Forschung und Entwicklung ballern, statt in Dividenden.
Sie haben es ja nicht nur in Dividenden geballert, sondern auch in die fortwährende Abhängigkeit vom chinesischen Markt. Diese Manager erzählen einem doch heute noch, wie wichtig dieser Markt ist, dabei sollte eigentlich jedem klar sein, dass China gar kein Interesse daran haben kann, dass deutsche Autohersteller fortwährend auf diesem Markt erfolgreich sein können. Sie waren interessant, als es Technologie zu holen gab und Rückstände zu schließen. Mittlerweile jedoch braucht die dort kein Mensch mehr - und das rächt sich jetzt.
Klar. Wir beschweren uns ja fleißig über die Lobbyarbeit der Autoindustrie. Ruft VW oder Mercedes irgendwo in der Politik an, dann werden sie gehört. Und so ein "Hey, die Chinesen bauen da gerade massiv und hochsubventioniert Kapazitäten auf, liebe EU, bitte sorgt jetzt dafür, dass diese subventionierten Kapazitäten nicht den einheimischen Markt zerstören" wäre sicherlich nicht auf taube Ohren gefallen.
Das ist einerseits unterhaltsam aber anderseits ist man komplett fassungslos wie dumm man sein kann. Und am Ende werden die lachen weil wir die Automobilindustrie mit Steuergeldern retten. Deutsche Identität und so.
Dieser gottlose Hurensohn. Man kann ja Menschen unmöglich nach dem Äußeren beurteilen - aber manchen sieht man die Hurensohnerei halt schon einfach direkt an.
Es ist das Versagen einer ganzen Manager-Generation, die kurzfristige, einfache Gewinnmitnahmen den eigentlich nötigen, harten Strategieänderungen vorzog.
Das Problem ist doch, dass das nur wieder die Individualisierung eines strukturellen Versagens ist, die die Wiwo hier vorwirft.
Die Manager sitzen da, weil sie genauso handeln. Würden sie nicht so handeln, säßen sie nicht da, sondern andere. Das ist das Dilemma, in allen Belangen wie dem Klimawandel, demografischem Wandel, Rente, etc.
ich sollte vielleicht erklären: es gibt kein endloses wachstum in einem endlichen planeten. es ist nur logisch dass irgendwann die deutschen autobauer gewinnrückgänge einfahren müssen wenn china's herstellungskapazitäten weiter expandieren. das hat zuerst einmal gar nichts mit neuer technologie zu tun.
21 Comments
Feddinat0r@feddit.org · 36 pts · 13d
Richtig, manager, nicht arbeiter
JensSpahnpasta@feddit.org · 34 pts · 13d
China hat als kommunistischer Staat ganz klassische Fünfjahrespläne. Diese sehen den hochsubventionierten Aufbau diverser Industrien vor. Und Überraschung: in einem dieser letzten fünf Jahrespläne war der Aufbau einer heimischen chinesischen Automobilindustrie vorgesehen. Es hat einen Grund, warum BYD plötzlich so gewaltig auf dem Weltmarkt auftaucht. Es wurde nämlich mit massiven Subventionen gezielt gefördert. Das war bekannt. Das war sowohl den europäischen Autobauern bekannt, als auch der Europäischen Union. Man hat das allerdings gnadenlos verschlafen und keine Ahnung worauf gehofft. Es war vollkommen klar, dass irgendwann chinesische Autos in Massen auf den europäischen Markt strömen und dass China im heimischen Markt die heimische Industrie pushen wird.
Melchior@feddit.org · 11 pts · 13d
Man muss dazu auch sagen, dass im EU Markt vor allem die Japaner unter den Chinesen leiden. Den deutschen Herstellern geht es noch ganz gut.
smokeysnilas@feddit.org · 10 pts · 12d
Ist doch ganz einfach, mit dem neoliberalen Weltbild ist klar, dass Subventionen niemals zu effizienten und wettbewerbsfähigen Industrien führen. Daran ist schließlich schon die Sowjetunion zugrunde gegangen und man ist wie selbstverständlich davon ausgegangen dass das in China auch so läuft. Nur Wettbewerb und freies Wirtschaften erschafft erfolgreiche Unternehmen.
Mit dem Gedanken erklärt sich auch das Nichtstun, unser Wirtschaftssystem ist ja eh schon inhärent besser und wird sich am Markt schon durchsetzen...oder so.
Edit: besonders lustig aus deutscher Perspektive, wo unsere Industrien doch ganz erheblich von den Nazis mit Zwangsarbeit aufgebaut wurden.
muelltonne@feddit.org · 5 pts · 12d
Die Chinesen haben da ein erstaunliches Modell: Sie hauen 5 Jahre Subventionen rein, bauen gewaltige Überkapazitäten auf und dann streichen sie die Subventionen und lassen die Firmen im freien Markt quasi gegeneinander kämpfen. Die subventionieren also nicht irgendwelche struggelnden Geschäftsmodelle, sondern sagen sich "Hey, wir wollen eine Klemmbaustein-Industrie". Dann wird die 5 Jahre schön gepäppelt, Überkapazitäten aufgebaut und am Ende des Zeitraumes setzen sich dann ein paar Firmen durch. Für die so angegriffene ausländische Konkurrenz ist das hart tödlich: Du musst erstmal 5 Jahre gegen die stark subventionierte neue chinesische Konkurrenz bestehen und dann gibt es eine Überkapazität, die fleißig die Weltmärkte flutet. Die chinesische Regierung sorgt dann natürlich auch fleißig dafür, dass du mit deinen Importen Probleme bekommst
Melchior@feddit.org · 2 pts · 12d
Vor allem macht Deutschland das oft auch recht ähnlich nur nicht ganz so aggressiv. Die deutsche Industrie kriegt riesige Subventionen mit billigen Krediten und wenn es Probleme gibt, dann auch durch ganz öffentliche Förderung. Deshalb heulen die Automanager auch so laut, da die auf die Subventionen von Merz und co warten.
gandalf_der_12te@feddit.org · 1 pts · 12d
hätte man was tun können?
jenesaisquoi@feddit.org · 3 pts · 12d
Natürlich. Den nach wie vor großen Gewinn der letzten Jahre gnadenlos in Forschung und Entwicklung ballern, statt in Dividenden. Technologievorsprung war bisher die Existenzgrundlage der Deutschen - was sie bei Verbrennern nach wie vor haben, aber bei batterieelektrischen Systemen total verkackt haben. Die Chinesen sind nicht nur billiger, sie sind vor allem besser. Billiger sind sie nicht weil deren Löhne tiefer sind, sondern weil sie keine 20% Rendite rauspressen.
Quittenbrot@feddit.org · 4 pts · 12d
Sie haben es ja nicht nur in Dividenden geballert, sondern auch in die fortwährende Abhängigkeit vom chinesischen Markt. Diese Manager erzählen einem doch heute noch, wie wichtig dieser Markt ist, dabei sollte eigentlich jedem klar sein, dass China gar kein Interesse daran haben kann, dass deutsche Autohersteller fortwährend auf diesem Markt erfolgreich sein können. Sie waren interessant, als es Technologie zu holen gab und Rückstände zu schließen. Mittlerweile jedoch braucht die dort kein Mensch mehr - und das rächt sich jetzt.
JensSpahnpasta@feddit.org · 1 pts · 11d
Klar. Wir beschweren uns ja fleißig über die Lobbyarbeit der Autoindustrie. Ruft VW oder Mercedes irgendwo in der Politik an, dann werden sie gehört. Und so ein "Hey, die Chinesen bauen da gerade massiv und hochsubventioniert Kapazitäten auf, liebe EU, bitte sorgt jetzt dafür, dass diese subventionierten Kapazitäten nicht den einheimischen Markt zerstören" wäre sicherlich nicht auf taube Ohren gefallen.
plyth@feddit.org · -1 pts · 12d
Also ist es genau so gewollt.
Wenn China isoliert werden soll dann braucht man einen Grund.
RidderSport@feddit.org · 4 pts · 12d
Dafür hätte man mMn jetzt schon mehr als genug Gründe.
metaljackL@feddit.org · 20 pts · 13d
Schon vor 14 Jahren. Hier sichtbar die gnadenlose Arroganz. Kann die ganze Doku empfehlen. Und wie gesagt. Hornalt.
tjoa@feddit.org · 7 pts · 12d
Das ist einerseits unterhaltsam aber anderseits ist man komplett fassungslos wie dumm man sein kann. Und am Ende werden die lachen weil wir die Automobilindustrie mit Steuergeldern retten. Deutsche Identität und so.
plyth@feddit.org · 3 pts · 12d
42 min: 1 Mrd Euro Steuergeld für Batterieforschung und Varta ist jetzt pleite.
jenesaisquoi@feddit.org · 3 pts · 12d
Dieser gottlose Hurensohn. Man kann ja Menschen unmöglich nach dem Äußeren beurteilen - aber manchen sieht man die Hurensohnerei halt schon einfach direkt an.
gandalf_der_12te@feddit.org · -2 pts · 12d
Doch.
Melchior@feddit.org · 11 pts · 12d
Das ist kein Schicksal, sondern:
kohlenstoff@feddit.org · 1 pts · 12d
Das Problem ist doch, dass das nur wieder die Individualisierung eines strukturellen Versagens ist, die die Wiwo hier vorwirft.
Die Manager sitzen da, weil sie genauso handeln. Würden sie nicht so handeln, säßen sie nicht da, sondern andere. Das ist das Dilemma, in allen Belangen wie dem Klimawandel, demografischem Wandel, Rente, etc.
jenesaisquoi@feddit.org · 10 pts · 12d
Nö. Die Kokser haben versagt. Das war laaange absehbar. Die Führung der deutschen Autoindustrie war arrogant, so wie in den USA in den 70ern.
gandalf_der_12te@feddit.org · 6 pts · 12d
ich sollte vielleicht erklären: es gibt kein endloses wachstum in einem endlichen planeten. es ist nur logisch dass irgendwann die deutschen autobauer gewinnrückgänge einfahren müssen wenn china's herstellungskapazitäten weiter expandieren. das hat zuerst einmal gar nichts mit neuer technologie zu tun.