Rechtspopulismus: Warum Widerspruch statt Verständnis nötig ist

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rechtspopulismus-warum-widerspruch-statt-verstaendnis-noetig-ist-accg-201069653.html

46 points · 18 comments · view on lemmy.world

18 Comments

SapphireSphinx@feddit.org · 44 pts · 1d (2 replies)

Heute dagegen machen Vertreter etablierter Parteien bei Protesten oft eilfertig „Sorgen und Nöte“ aus, die sie sogleich „ernst nehmen“ wollen und sich darum zu „kümmern“ versprechen. So nötig bessere Politik auch ist, müssen deren Vertreter nicht jede Forderung aufnehmen und so tun, als wäre sie wichtig.

Man hätte diese Erkenntnis vielleicht schon vor 10 Jahren haben können.

Edit:

Die ältere Frau rief theatralisch in den Saal: „Die CO₂-Steuer ist kriminell!“ Sie haben in der Schule gelernt, dass alle Menschen das Kohlendioxid brauchen, um zu leben. Jetzt aber wolle die Regierung den CO₂-Ausstoß verbieten. „Bald gibt’s kein CO₂ mehr, und wir werden alle sterben!“, schrie sie, beinahe schon aggressiv. Unter den gut 300 Zuhörern in der Stadthalle von Neustadt in Sachsen, einer Kleinstadt am Rande der Sächsischen Schweiz, kam Unruhe auf. Einige applaudierten der Frau, andere wollten hören, was der Stargast des Abends, der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, zu dem Fall zu sagen hatte.

Mit solchen Leuten im Land kannst du nur noch beten.

Senseless@feddit.org · 8 pts · 1d (1 reply)

Bildung ist so so wichtig.

Majoran@feddit.org · 3 pts · 1d

Ja, schon, aber gleichzeitig, weiß nicht, sowas wie die zitiere Frau ist doch nicht mehr einfach nur Unbildung, das ist die vollständige Abwesenheit jeglichen Vernunftdenkens. Dafür braucht man kein schulisches Faktenwissen, um zu merken, dass das komplett idiotisch ist.

Ich verstehe auch echt nicht, wie sowas kommt. Es gibt alte antike Texte wo die griechischen Philosophen über das Intelligenzpotenzial von Sklaven reden und selbst die waren nicht halb so verblödet wie das, was heute freiheitlich in politischen Kanälen raunt.

trollercoaster@sh.itjust.works · 23 pts · 1d (1 reply)

Dass ausgerechnet die FAZ, die jahrzehntelang von weit rechts mit gehetzt hat, das jetzt merkt, war wirklich nicht auf meiner Bingo-Karte.

Obin@feddit.org · 1 pts · 1d
[ removed ]
PotatoesFall@discuss.tchncs.de · 14 pts · 1d

Rechten Inhalten und Meinungen sollte man in der Tat kein Verständnis geben. Sehr wichtig aber ist die Frage, was den Rechtspopulismus stark macht. Dazu gehört auch, dass man versteht, warum Leute so frustriert sind - Rechtspopulismus greift bei gesunden glücklichen Menschen nicht so gut.

Die FAZ betreibt außerdem gerne auch selbst Rechtspopulismus (schön bürgerlich verpackt natürlich) und darf zu so was mMn die Fresse halten.

JeCaBeer@feddit.org · 3 pts · 1d (4 replies)

Was hat es mit der CO2-Steuer auf sich, dass sie mit Rechtspopulismus in Verbindung gebracht wird? Nur weil sie das mit dem CO₂ falsch verstanden hat?

CyberEgg@discuss.tchncs.de · 6 pts · 1d

Eigentlich eher, dass Rechtspopulisten die CO₂-Steuer missbrauchen und verdrehen, um gegen Klimaschutzmaßnahmen zu hetzen.

Ooops@feddit.org · 5 pts · 1d (1 reply)

Rechte Parteien haben jahrzehntelang gewettert, dass es nicht mehr Klimaschutz braucht (und der auch gar nicht bezahlbar wäre), und wir doch bitte nur minimal lenkend durch eine CO₂-Abgabe eingreifen und den tollen Markt machen lassen sollten. Solange bis die (ohnehin zu niedrig und spät angesetzte) Abgabe endlich beginnt Wirkung zu zeigen. Dann setzte (wie von jedem mit zwei funktionierenden Gehirnzellen erwartet) der große Zweifel ein, die Infragestellunge der Sinnhaftigkeit einer CO₂-Abgabe (weil... die Wirtschaft™) und für die lauter geifernden Typen im populistischen Spektrum auch gleich das Märchen von der "links-grünen CO₂-Steuern", die uns alle arm machen und Land zerstören soll. Für die besonders faktenresistenten Gruppen der Schwurbler -nicht, dass da heute noch viel Unterscheidung zum Rechtspopulismus herrschst- wurden auch gleich die Narrative von der geplanten Deindustrialisierung gesät.

Also versteh ich deine Frage nicht... Was hat die CO₂-Steuern nicht mir Rechts und Rechtspopulismus zu tun? Wenn man alles, wirklich alles, zu einer neuen Front des Kulturkampfes hochstilisieren muss, um effektiv von der korrupten Scheißpolitik gegen die Bevölkerung abzulenken, ist das halt die Konsequenz: So gut wie jedes Thema wird von den Rechtspopulisten aufgegriffen und immer stehen sie dabei auf der anderen Seite und gegen Realität und Fakten.

JeCaBeer@feddit.org · 1 pts · 13h

Ich bringe nun mal Verständnis dafür auf, dass du meine Frage nicht verstanden hast. Das kann ich auch nachvollziehen.

Ich entnehme deinem Kommentar, dass für dich alles, was diese Gruppe als Thema aufgreift, um Wähler auf ihre Seite zu holen, als rechts-populistisch gilt. Genau hier sehe ich das Brandmauer-Verhalten.

Die Frau wird als rechts abgestempelt, und ihr Bildungsniveau wird infrage gestellt. Ist sie wirklich rechts? Und kennt jemand ihre Lebensgeschichte, weshalb sie sich in dieser Weise zum Thema Sauerstoff und CO₂ geäußert hat?

Ich denke, es wird verkannt, dass die Themen, die aktuell die Bürger beschäftigen, von der rechten Seite gekonnt aufgegriffen werden – und dass diese Bürger daraufhin als „rechts“ abgestempelt werden.

Wenn in Diskussionen oder in sonstigen Medien Begriffe wie „rechts-populistische Propaganda“ verwendet werden, führt dies zu einer reflexartig ablehnenden Haltung gegenüber Gegenargumenten. Warum wird nicht einfach – ohne abwertende, beschimpfende oder unangemessene Fachsprache und Begrifflichkeiten – erklärt, was an dieser oder anderen Aussagen falsch ist?

Es gibt etwa 61 Millionen Wahlberechtigte in der Bundesrepublik Deutschland. Da kann es schon vorkommen, dass bestimmte Dinge öfter als nur einmal erklärt werden müssen.

Aus meiner Sicht ist es falsch, sich einfach hinzustellen und absolut davon überzeugt zu sein, dass der eigene Standpunkt und die eigenen Argumente richtig sind. Es ist auch wichtig, die kommunikative Art jeweils anzupassen. Ich meine damit Folgendes – dies möchte ich anhand der Musikrichtungen verdeutlichen:

Viele mögen Pop und Rock aus den Top-100-Charts, einige mögen Punk, und andere mögen Oper. Wird der Wortlaut entsprechend gewählt, kann man jemanden zum Zuhören bewegen; andernfalls erreicht man das Gegenteil.


rumschlumpel@feddit.org · 1 pts · 1d

Die Rechten hätten am liebsten einen CO2-Bonus. Und Politiker von rechten Parteien (+ ausgewählte Klassenfeinde von "mittigen" und "linken" Parteien) bekommen den wahrscheinlich auch, von den Fossil-Lobbyisten.

blackberry28@sh.itjust.works · -2 pts · 1d (7 replies)

Nach der Logik müsste das Konzept der Brandmauer funktionieren. Tut es aber offenkundig nicht.

Obin@feddit.org · 6 pts · 1d

Weil die "Brandmauer" ja kein Widerspruch ist, sondern eine arbiträre Abgrenzung. Die CDU sagt "wir arbeiten mit X nicht zusammen", aber benennen inhaltlich keine Gründe dafür außer irgendwas irgendwas Demokratie, weil sie wissen, dass sie in großen Teilen Überschneidungen mit der AfD haben.

Und sie wird genau in dem Moment Geschichte sein, in dem es für die CDU opportun ist, das wird ja mittlerweile jedem klar sein hoffe ich.

Elchi@feddit.org · 1 pts · 1d

Dem Autor geht es ja nicht um Verständnis, sondern Widerspruch.

killingspark@feddit.org · 1 pts · 1d (4 replies)

Zeig mal die Beispiele bei denen es den konservativen oder der politischen Landschaft gut getan hat dem rechten Rand mit noch mehr Verständnis zu begegnen als es die CDU trotz Brandmauer tut

blackberry28@sh.itjust.works · 1 pts · 1d (3 replies)

Das ist das Problem, sowas ist noch gar nicht passiert. Das ist alles nur Symbolpolitik was die Parteien der Mitte machen, ohne aber tatsächlich die Probleme anzugehen, welche die Wähler rechter Parteien beklagen.

killingspark@feddit.org · 1 pts · 1d (2 replies)

Da musst du konkreter werden. Sanktionen für Bürgergeld Empfänger sind hochgeschraubt und einfacher einsetzbar geworden. Es gibt mehr Kontrollen an den grenzen und mehr Abschiebungen. Die Sozialleistungen, Kulturförderungen, und Finanzmittel für Demokratieförderung sind zusammen gestrichen worden.

Was wollen die rechten denn noch so was nicht schon passiert?

blackberry28@sh.itjust.works · 1 pts · 1d (1 reply)

Die Kontrollen an den Grenzen sind ein gutes Beispiel was ich meinte mit Symbolpolitik. Grenzkontrollen machen zwar für gutes PR, sind aber ziemlich wirkungslos, zumindest was ich so mitbekommen habe, im Verhältnis zum Aufwand.

Die Abschiebungen geschehen meines Wissens nach auch nur in homöopathischen Dosen. Wir haben dem Recht nach 200k+ ausreisepflichtige Migranten.

Desweiteren bleibt die Clan-Kriminalität ein sehr großes Problem in Deustchland, insbesondere in NRW und Berlin. Hier muss wesentlich härter durchgegriffen werden. Viele Clanmitglieder besitzen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft, weshalb es nicht allzu schwierig sein sollte, diese bei Straffälligkeit abzuschieben. Die Clans leben in einer Parallelgesellschaft in welcher die deutschen bzw. die liberalen westlichen Werte- und Normensysteme abgelehnt werden.

Diese Parallelgesellschaften sind meiner Meinung nach eine riesige Gefahr für unsere FDGO, erfahren aber in den Medien deutlich weniger Aufmerksamkeit als der Rechtsextremismus. Beides muss gleichermaßen bekämpft werden, nur um dad klarzustellen.

killingspark@feddit.org · 1 pts · 23h

Die rechten fordern doch schon immer Grenzkontrollen. Oder zumindest geschlossene Grenzen was ja Kontrollen bedingen würde.

Laut bpb: "2025 wurden aus Deutschland 22.787 Menschen abgeschoben, die meisten in ihre Herkunftsländer. Im Jahr 2024 waren es 20.084 Menschen, 2023 waren es 16.430, 2022 waren es 12.945, 2021 11.982 und 2020 insgesamt 10.800"

Tendenz also steigend und 10% aller Fälle die vielleicht tatsächlich Ausreisepflichtig sind (viele deiner 200k haben ja Duldungen oder ähnliches) klingt jetzt nicht Homöopathisch. Das viel weiter zu steigern würde vermutlich noch mehr verwaltungskapazitäten von anderen wichtigen aufgaben abziehen.

Bei der Clan Kriminalität sind sich alle einig, das gehört bekämpft. Woran sich die Geister scheiden ist, ob man das dringend aus der "die bösen Ausländer Brille" betrachten muss oder ob es nicht viel effektiver und langfristig für alle besser wäre es aus der Ursachenbrille zu untersuchen. Was führt dazu, dass sich Menschen aus dem System verabschieden? Und was kann man dagegen Unternehmen? Stellt sich nämlich raus die Gründe sind universell und die Arbeit aus der Richtung würde auch gegen "biodeutsche" Organisierte Kriminalität helfen.