Erster Gedanke: welche neue Regel könnte es da geben, wollen sie da in Zukunft einfach weiterfahren?
Bahn will bei Personen im Gleis nicht mehr immer stoppen.
Wow. Das ist... Wild. Denn auch bei 50 km/h braucht ein Zug aufgrund der schieren Masse, die da in Bewegung ist, ein paar Meter mehr zum Anhalten (Newton und so).
Genauso bekloppt finde ich dann aber auch, dass es 2025 zwar weniger Vorfälle als 2024 gab, aber die Gründe für Personen im Gleisbett angeblich zunehmen.
Hier sollen Sicherheitsrichtlinien aufgeweicht werden, vermutlich um die Pünktlichkeit und damit das Image der Bahn aufzupolieren, weils billiger ist als die tatsächlichen Ursachen für die Unzuverlässigkeit der Bahn anzugehen.
Ich habe da schon mit einigen Fahrdienstleitern und Lokführern über das Thema gesprochen, die haben da ja tagtäglich mit zu tun.
In den meisten Fällen ist es wohl so, dass die Personen, die beim Gleisüberqueren gesichtet wuden, dann wenn die Bundespolizei (nach 30min+) da ist schon längst über alle Berge sind. In solchen Fällen ist der Konsens unter allen Fdls und Tfs mit denen ich gesprochen habe dass es da durchaus sinnvoll wäre einen Zug auf Sicht durchzuschicken statt die Strecke vollständing zu sperren.
Fahren auf Sicht heißt (wie der Name schon sagt) dass so gefahren werden muss das jederzeit in Sichtweite der Zug gestoppt werden kann. Da halt ich die 50 km/h die in dem Artikel erwähnt werden auch etwas unrealistisch, soweit ich weiß ist eigentlich 40 km/h max. für sowas, natürlich je nach Ermessen des Triebfahrzeugführers geht auch langsamer.
Das Fahren auf Sicht ist jetzt auch kein Allheilmittel , der Zug fährt immernoch viel langsamer als geplant und das führt auch zu Verspätungen und Abweichungen im Fahrplan. Aber geht halt immernoch deutlich schneller als auf die Bundespolizei zu warten (welche für die Bahninfrastruktur zuständig ist, Landespolizei saef da nicht ran), die im Gegensatz zur Landespolizei halt eigentlich nur in größeren Städten angesiedelt ist und dementsprechend ziemlich lange braucht.
Bin da kein Experte für, aber ich glaube es ist ein bisschen unrealistisch dass die Polizei die 33.000 km deutsches Streckennetz mit Drohnen ausstatten kann. Die müssen ja dann auch ne ziemlich große Reichweite (sowohl Akku als aich Fernsteuerung) haben damit die Bundespolizei die von irgendwo zentral alle fernsteuern kann, und bis die alarmiert und losgeflogen sind dauert das auch seine Zeit. Ich denke da ist der Zug der auf Sicht fährt dann doch deutlich schneller an der fraglichen Stelle. Der Sinn dabei die Bundespolizei zu holen ist dass die dann wirklich eingreifen können im Falle dass Personen im Gleis sind ( salopp gesagt, die Personen zu entfernen) eine Drohne kann das nicht und bringt aus meiner Sicht dann auch nicht wirklich einen Vorteil.
Random Side Note: Die InfraGo hat ja sogar schon 100 Drohnen die u.a. zur Überwachung der Infrastruktur da sind (siehe hier). Der Hauptfokus ist da eher auf Sabotageabwehr weil in der Vergangenheit in großem Maße Sicherungstechnik sabotiert und geklaut wurde. Aber mit 100 Drohnen kommt man da auch nicht weit auf der Größe an Streckennetz die es in Deutschland gibt. Und das scheint alles auch noch sehr in der Testphase zu stecken.
Wenn du dir mal professionelle Drohnenkonzepte zum Beispiel von DJI anschaust, dann ist das ehrlich gesagt gar nicht so unmöglich. Zum einen musst du halt nicht die 33.000 Kilometer auf einen Schlag überwachen. Es wäre ja auch schon viel gewonnen, wenn du die Hauptstrecken überfliegen könntest. Die Bahn hat genügend Gelände mit Stromanschluss in Gleisnähe, auf denen man diese unauffälligen Drohnencontainer platzieren kann. Die Drohnen können dort relativ autonom starten und sich auch wieder aufladen. Und sind auch relativ schnell mit erstaunlichen Reichweiten. Dazu gibt es auch zentralisierte Steuerungsprogramme.
Im Zweifelsfall wäre auch schon viel gewonnen, wenn man einfach eine Datenanalyse fährt, um zu schauen, an welchen Abschnitten häufiger Personen im Gleis gemeldet werden. Ich tippe mal drauf, dass dies eben nicht irgendwelche abgelegenen Nebenstrecken sind, sondern recht häufig die gleichen Abkürzungen über die Gleise, wo ein Bahnübergang fehlt. Das sind im Zweifelsfall sogar Ecken, bei denen man eine stationäre Kamera irgendwo an einen Strommasten klemmen kann.
Die im Interview vorgeschlagenen 40-50km/h sind wohl dazu gedacht die Lokführys zu entlasten, so dass sie nicht mehr selber entscheiden müssen mit welcher Geschwindigkeit sie auf Sicht fahren können sondern stattdessen regelkonform mit x km/h fahren können
Wenn ein bremsender Zug mit 50km/h auf einen zu fährt wird man immer noch genug Zeit haben diesen zu hören, sehen, und auszuweichen, falls es für den Zug nicht sogar möglich ist rechtzeitig stehen zu bleiben. Dass Kollisionen mit Personen nicht schön sind ist klar, aber das setzt auch voraus dass die Person das zu verhindern beabsichtigt. Zumal der Lokführer auch immer noch an der betroffenen Stelle nach eigenem Ermessen langsamer fahren kann und darf.
aber das setzt auch voraus dass die Person das zu verhindern beabsichtigt
Und wenn sie das nicht beabsichtigt, hilft auch keine Regelung mehr: Wer es wirklich drauf anlegt, plant das sorgfältig und lässt sich nicht im Voraus sichten. Reicht ja auch ein durchfahrender Schnellzug.
(Dass solche Menschen Hilfe brauchen statt einen Lokführer und einen Bahnsteig voller Schulkinder zu traumatisieren steht auf einem anderen Blatt.)
15 Comments
CyberEgg@discuss.tchncs.de · 3 pts · 1d
Erster Gedanke: welche neue Regel könnte es da geben, wollen sie da in Zukunft einfach weiterfahren?
Wow. Das ist... Wild. Denn auch bei 50 km/h braucht ein Zug aufgrund der schieren Masse, die da in Bewegung ist, ein paar Meter mehr zum Anhalten (Newton und so).
Genauso bekloppt finde ich dann aber auch, dass es 2025 zwar weniger Vorfälle als 2024 gab, aber die Gründe für Personen im Gleisbett angeblich zunehmen.
Hier sollen Sicherheitsrichtlinien aufgeweicht werden, vermutlich um die Pünktlichkeit und damit das Image der Bahn aufzupolieren, weils billiger ist als die tatsächlichen Ursachen für die Unzuverlässigkeit der Bahn anzugehen.
bnyro@programming.dev · 37 pts · 1d
Ich habe da schon mit einigen Fahrdienstleitern und Lokführern über das Thema gesprochen, die haben da ja tagtäglich mit zu tun.
In den meisten Fällen ist es wohl so, dass die Personen, die beim Gleisüberqueren gesichtet wuden, dann wenn die Bundespolizei (nach 30min+) da ist schon längst über alle Berge sind. In solchen Fällen ist der Konsens unter allen Fdls und Tfs mit denen ich gesprochen habe dass es da durchaus sinnvoll wäre einen Zug auf Sicht durchzuschicken statt die Strecke vollständing zu sperren.
Fahren auf Sicht heißt (wie der Name schon sagt) dass so gefahren werden muss das jederzeit in Sichtweite der Zug gestoppt werden kann. Da halt ich die 50 km/h die in dem Artikel erwähnt werden auch etwas unrealistisch, soweit ich weiß ist eigentlich 40 km/h max. für sowas, natürlich je nach Ermessen des Triebfahrzeugführers geht auch langsamer.
Das Fahren auf Sicht ist jetzt auch kein Allheilmittel , der Zug fährt immernoch viel langsamer als geplant und das führt auch zu Verspätungen und Abweichungen im Fahrplan. Aber geht halt immernoch deutlich schneller als auf die Bundespolizei zu warten (welche für die Bahninfrastruktur zuständig ist, Landespolizei saef da nicht ran), die im Gegensatz zur Landespolizei halt eigentlich nur in größeren Städten angesiedelt ist und dementsprechend ziemlich lange braucht.
elmicha@feddit.org · -1 pts · 1d
Könnte man die Bundespolizei nicht mit Drohnen ausstatten, damit sie schneller nachschauen können?
bnyro@programming.dev · 7 pts · 23h
Bin da kein Experte für, aber ich glaube es ist ein bisschen unrealistisch dass die Polizei die 33.000 km deutsches Streckennetz mit Drohnen ausstatten kann. Die müssen ja dann auch ne ziemlich große Reichweite (sowohl Akku als aich Fernsteuerung) haben damit die Bundespolizei die von irgendwo zentral alle fernsteuern kann, und bis die alarmiert und losgeflogen sind dauert das auch seine Zeit. Ich denke da ist der Zug der auf Sicht fährt dann doch deutlich schneller an der fraglichen Stelle. Der Sinn dabei die Bundespolizei zu holen ist dass die dann wirklich eingreifen können im Falle dass Personen im Gleis sind ( salopp gesagt, die Personen zu entfernen) eine Drohne kann das nicht und bringt aus meiner Sicht dann auch nicht wirklich einen Vorteil.
Random Side Note: Die InfraGo hat ja sogar schon 100 Drohnen die u.a. zur Überwachung der Infrastruktur da sind (siehe hier). Der Hauptfokus ist da eher auf Sabotageabwehr weil in der Vergangenheit in großem Maße Sicherungstechnik sabotiert und geklaut wurde. Aber mit 100 Drohnen kommt man da auch nicht weit auf der Größe an Streckennetz die es in Deutschland gibt. Und das scheint alles auch noch sehr in der Testphase zu stecken.
muelltonne@feddit.org · 2 pts · 6h
Wenn du dir mal professionelle Drohnenkonzepte zum Beispiel von DJI anschaust, dann ist das ehrlich gesagt gar nicht so unmöglich. Zum einen musst du halt nicht die 33.000 Kilometer auf einen Schlag überwachen. Es wäre ja auch schon viel gewonnen, wenn du die Hauptstrecken überfliegen könntest. Die Bahn hat genügend Gelände mit Stromanschluss in Gleisnähe, auf denen man diese unauffälligen Drohnencontainer platzieren kann. Die Drohnen können dort relativ autonom starten und sich auch wieder aufladen. Und sind auch relativ schnell mit erstaunlichen Reichweiten. Dazu gibt es auch zentralisierte Steuerungsprogramme.
Im Zweifelsfall wäre auch schon viel gewonnen, wenn man einfach eine Datenanalyse fährt, um zu schauen, an welchen Abschnitten häufiger Personen im Gleis gemeldet werden. Ich tippe mal drauf, dass dies eben nicht irgendwelche abgelegenen Nebenstrecken sind, sondern recht häufig die gleichen Abkürzungen über die Gleise, wo ein Bahnübergang fehlt. Das sind im Zweifelsfall sogar Ecken, bei denen man eine stationäre Kamera irgendwo an einen Strommasten klemmen kann.
Zwuzelmaus@feddit.org · 4 pts · 23h
Immer mehr Personen, die kein eigenes Bett mehr haben?
/s
Cacaocow@feddit.org · 5 pts · 23h
Dabei ist im Kornfeld immer eins frei
nodiratime@lemmy.world · 2 pts · 12h
Bin dafür, Züge mit Bullenfängern auszustatten.
HansGruber@sh.itjust.works · -1 pts · 1d
Wir nehmen das Problem und schieben es zum Zugführer.
waldfee@feddit.org · 5 pts · 1d
Die im Interview vorgeschlagenen 40-50km/h sind wohl dazu gedacht die Lokführys zu entlasten, so dass sie nicht mehr selber entscheiden müssen mit welcher Geschwindigkeit sie auf Sicht fahren können sondern stattdessen regelkonform mit x km/h fahren können
HansGruber@sh.itjust.works · 2 pts · 1d
Ich denke das Erlebnis einen Menschen überfahren zu haben ist, wenn auch regelkonform, etwas belastend.
waldfee@feddit.org · 5 pts · 23h
Wenn ein bremsender Zug mit 50km/h auf einen zu fährt wird man immer noch genug Zeit haben diesen zu hören, sehen, und auszuweichen, falls es für den Zug nicht sogar möglich ist rechtzeitig stehen zu bleiben. Dass Kollisionen mit Personen nicht schön sind ist klar, aber das setzt auch voraus dass die Person das zu verhindern beabsichtigt. Zumal der Lokführer auch immer noch an der betroffenen Stelle nach eigenem Ermessen langsamer fahren kann und darf.
luciferofastora@feddit.org · 6 pts · 13h
Und wenn sie das nicht beabsichtigt, hilft auch keine Regelung mehr: Wer es wirklich drauf anlegt, plant das sorgfältig und lässt sich nicht im Voraus sichten. Reicht ja auch ein durchfahrender Schnellzug.
(Dass solche Menschen Hilfe brauchen statt einen Lokführer und einen Bahnsteig voller Schulkinder zu traumatisieren steht auf einem anderen Blatt.)
Goldholz@lemmy.blahaj.zone · 1 pts · 8h
Was wurde eigentlich aus dieser Profaller-Wende oder wie das hieß, und aus dem Deutschland Tackt?
B0rax@feddit.org · 1 pts · 8h
Die Pofalla Wende gibt’s doch. Zumindest hier drehen die S-Bahnen regelmäßig vor der Endhaltestelle um wenn sie zu spät dran sind.