Wenn man es ganz genau nimmt, beziehen die sogenannten "Arbeitgeber" Arbeitsleistung von den sogenannten "Arbeitnehmern", sind also strengenommen Leistungsbezieher.
Wenn man das erstmal verstanden hat, ergibt auch die Aussage der Politiker, dass die faulen Leistungsbezieher nichts arbeiten wollen und von unserer Arbeit in Saus und Braus leben, endlich einen Sinn.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer – diese beiden Worte sind falsch. Es sind Wortzusammensetzungen nur geschaffen, um die Wahrheit zu verdrehen, die Arbeitenden zu verwirren – ja, es sind Klassenkampfkomposita.
im globalen kontext ja, aber im arbeitsverhältnis kann auch ein arbeitbieter bourgeoise sein. zudem ging es mir ja vorwiegend darum uns die semantischen begrifflichkeiten zurückzuerobern und da stellte ich fest, dass die kritik zwar berechtigt ist, aber ein simples eins umdreh zu verwirrend ist.
Immer wenn das wer anspricht, denkt er bei Abeit nur an "Arbeitskraft", dann stimmt auch die Aussage. Aber oft steht Arbeit auch für "Aufgabe / Arbeitsaufwand", und da passt die gängige Begrifflichkeit.
Du meinst ja auch nicht wenn du sagst "Ich habe noch Arbeit im Garten", dass im Garten Arbeitskräfte rumstehen.
Ich glaube, das läuft in eine Wortklaubereifalle. Die üblichen Floskeln die dann irgendwann fallen sind "Weil du ja Geld verdienen musst", "Weil wir alle unseren Teil leisten müssen" (Bonus: Die Arbeitgeber tragen ja das Risiko, das ist deren Leistungsanteil 🙄), irgendwas von Schmarotzern, dass ja sonst keiner mehr arbeiten würde, und wenn sonst gar nichts mehr hilft "Was willst du machen" gefolgt von einer Wand aus "Das wird nicht funktionieren, weil da keiner mitmachen würde"
Ich hatte die Diskussion unlängst mit einem Kollegen. Der hat insgesamt so einige Ansichten, die einen Mangel an Ahnung mit Überzeugung kompensieren.
Also, ich baller dann einfach den "gesunden Menschenverstand" mit Theoriewissen weg. David Graeber mit "Schulden, die ersten 5000 Jahre", heterodoxe Volkswirtschaftlehre. Einfach alle Youtube -Videoessays infodumpen, die man schon 5000 mal gehört hat.
Ich sage nicht, dass es funktioniert. Aber ich will nicht immer nur mit den Menschen der gleichen Überzeugung reden. Das bringt doch auch nix, auf Dauer 😣
Ich hatte die Diskussion unlängst mit einem Kollegen. Der hat insgesamt so einige Ansichten, die einen Mangel an Ahnung mit Überzeugung kompensieren
Ich will das halt mit Ahnung kompensieren (wie alle linken, eigentlich). Ich hab schon meinem Schwurbler-Bruder zum Marx lesen gebracht. Seitdem sind die (politischen) Gespräche viel angenehmer.
Ich sage nicht, dass es funktioniert. Aber ich will nicht immer nur mit den Menschen der gleichen Überzeugung reden. Das bringt doch auch nix, auf Dauer 😣
Ne, klar, deswegen fecht ich den Scheiß des besagten Kollegen auch immer wieder an. Der ist halt die Sorte "hatte Glück, denke deshalb dass das jeder mit harter Arbeit schaffen kann" mit einer Dosis "Das ist so, gehört so und wird so bleiben".
Wie sich "natürlich ist meine Lebenszeit nicht mehr oder weniger wertvoll als die von anderen" mit "...aber meine Arbeitszeit schon" vereinen lässt ist auch eine Kür mentaler Gymnastik die ich gar nicht nachmachen will. Vor allem, wenn er dabei ja immer noch abgezogen wird. Die armen Reichen muss man halt in Schutz nehmen.
Und "dass Frauen benachteiligt werden wird schon seinen Grund haben" kann ich eh nicht stehen lassen. War ich auch nicht der einzige, der da was gesagt hat. Keine Ahnung, ob das Kontra zweier Männer (einer älter, einer jung) da was bewirkt, aber besser als höflich schweigen ist das auf jeden Fall.
Ich meinte damit eher, dass man auf diesen Bullshit gefasst sein muss, weil die meisten nicht sofort nach einer Frage einknicken. Offenbar bist du da aber bestens vorbereitet. Ob das direkt sichtbar fruchtet ist nicht unbedingt ausschlaggebend, aber zumindest den Eindruck des universellen Konsens müssen wir angreifen. Wer keine Widerworte gewohnt ist, hat sie mal bitter nötig.
Ich hab schon meinem Schwurbler-Bruder zum Marx lesen gebracht. Seitdem sind die (politischen) Gespräche viel angenehmer.
Starke Leistung, freut mich für dich (und ihn). Ich hab meine Eltern von der CDU wegbekommen, aber weiter hat es bisher nicht gereicht. Naja, steter Tropfen höhlt den Stein. Hauptsache, wir verlieren den Mut nicht.
Ne, klar, deswegen fecht ich den Scheiß des besagten Kollegen auch immer wieder an.
Find ich echt schön, dass du da durchhälst. Ich hoffe, es ist auch nicht ausschließlich schlimm mit ihm (obwohl du dann vermutlich nicht so sehr ins Gespräch gehen würdest).
Wie sich "natürlich ist meine Lebenszeit nicht mehr oder weniger wertvoll als die von anderen" mit "...aber meine Arbeitszeit schon" vereinen lässt ist auch eine Kür mentaler Gymnastik die ich gar nicht nachmachen will
Klingt so, als wäre er bereit für die "Werttheorie der Arbeitszeit". So jemanden würde ich echt mal fragen, ob er glaubt, so viel selbst zu verdienen. Wie er dem Betrieb gewinn macht und warum der Chef an ihm verdient, nur, weil ihm "der Laden gehört".
Und "dass Frauen benachteiligt werden wird schon seinen Grund haben" kann ich eh nicht stehen lassen.
So, an sich, würde ich das tatsächlich stehen lassen. Es ist halt mMn kein *guter, Grund. ;)
Aber dass Dinge einen Grund haben, ist jetzt nicht sonderlich weltbewegend. Ob ich die Zwecke, die hinter den Gründen stehen teile: da wird's spannend.
Wenn ich da ansetze, kann ich am Eigeninteresse andocken und muss nicht moralisieren.
Ich meinte damit eher, dass man auf diesen Bullshit gefasst sein muss, weil die meisten nicht sofort nach einer Frage einknicken. [...] Ob das direkt sichtbar fruchtet ist nicht unbedingt ausschlaggebend, aber zumindest den Eindruck des universellen Konsens müssen wir angreifen. Wer keine Widerworte gewohnt ist, hat sie mal bitter nötig.
Hört, hört! Ob ich da super vorbereitet bin, sei mal als These in den Raum gestellt. Aber irgendwas muss aus den ganzen (Hör-)büchern und Podcasts doch bitte auch mal rauskommen. ;)
Naja, steter Tropfen höhlt den Stein. Hauptsache, wir verlieren den Mut nicht.
Kann man zusammenfassen und erweitern zu einer kulturelle Hegemonie(siehe Gramsci) der Arbeiterbewegung.
Sprache ist ein wichtiger Teil davon und wir sollten das versuchen umzusetzen.
Wenn dann arbeitanbieter. Ein Bieter will normalerweise in einer Auktion etwas kaufen.
Gönner ist auch gefährlich, da es nach kostenlosem Angebot klingt.
Arbeit an sich ist aber schon schwierig. Handelnde würde mir besser gefallen.
Das Wort Arbeit ist gemeingermanischen Ursprungs (*arƀaiđiz, got. arbaiþs); die Etymologie ist unsicher; evtl. verwandt mit indoeurop. *orbʰo- „verwaist“, „Waise“, „ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdungenes Kind“ (vgl. Erbe); evtl. auch verwandt mit aslaw. robota („Knechtschaft“, „Sklaverei“, vgl. Roboter).
34 Comments
trollercoaster@sh.itjust.works · 38 pts · 55d
Wenn man es ganz genau nimmt, beziehen die sogenannten "Arbeitgeber" Arbeitsleistung von den sogenannten "Arbeitnehmern", sind also strengenommen Leistungsbezieher.
Wenn man das erstmal verstanden hat, ergibt auch die Aussage der Politiker, dass die faulen Leistungsbezieher nichts arbeiten wollen und von unserer Arbeit in Saus und Braus leben, endlich einen Sinn.
kaenguru@feddit.org · 19 pts · 55d
Arbeitgeber und Arbeitnehmer – diese beiden Worte sind falsch. Es sind Wortzusammensetzungen nur geschaffen, um die Wahrheit zu verdrehen, die Arbeitenden zu verwirren – ja, es sind Klassenkampfkomposita.
Boppel@feddit.org · 8 pts · 55d
vollkommem richtig, scheitert aber wieder daran, dass die wörter bereits besetzt sind.
squirrel@cake.kobel.fyi · 19 pts · 55d
In beiden Begriffen steckt deutlich zuviel Arbeit.
Boppel@feddit.org · 7 pts · 55d
zeitbezieher und zeitbieter/ -gönner?
hätte eine angenehme momo-referenz
spechter@feddit.org · 12 pts · 55d
Mein Chef ist ein Bürgerleistungsbezieher
LinkeSocke@feddit.org · 12 pts · 55d
Die Wörter die du suchst sind Bourgeoisie und Proletariat
Boppel@feddit.org · 2 pts · 55d
im globalen kontext ja, aber im arbeitsverhältnis kann auch ein arbeitbieter bourgeoise sein. zudem ging es mir ja vorwiegend darum uns die semantischen begrifflichkeiten zurückzuerobern und da stellte ich fest, dass die kritik zwar berechtigt ist, aber ein simples eins umdreh zu verwirrend ist.
BlueKey@fedia.io · 10 pts · 55d
Immer wenn das wer anspricht, denkt er bei Abeit nur an "Arbeitskraft", dann stimmt auch die Aussage. Aber oft steht Arbeit auch für "Aufgabe / Arbeitsaufwand", und da passt die gängige Begrifflichkeit.
Du meinst ja auch nicht wenn du sagst "Ich habe noch Arbeit im Garten", dass im Garten Arbeitskräfte rumstehen.
pleb_maximus@piefed.zip · 10 pts · 55d
Arbeitskraftnehmer und Arbeitskraftgeber.
Successful_Try543@feddit.org · 6 pts · 55d
Oder näher an den bisher gebräuchlichen Begrifflichkeiten: Arbeitsauftraggeber und Arbeitauftragnehmer.
CyberEgg@discuss.tchncs.de · 8 pts · 55d
Klassenkampf wird nicht mit Semantik gewonnen.
Boppel@feddit.org · 13 pts · 55d
stimmt, aber er wird mit ihr delegitimiert "ihr sollt froh sein, dass man euch arbeit gibt"
Prunebutt@slrpnk.net · 6 pts · 55d
Mögliche Antwort hierauf: "Warum muss ich überhaupt zum Überleben darauf angewiesen sein, dass mir jemand Arbeit gibt?"
luciferofastora@feddit.org · 2 pts · 55d
Ich glaube, das läuft in eine Wortklaubereifalle. Die üblichen Floskeln die dann irgendwann fallen sind "Weil du ja Geld verdienen musst", "Weil wir alle unseren Teil leisten müssen" (Bonus: Die Arbeitgeber tragen ja das Risiko, das ist deren Leistungsanteil 🙄), irgendwas von Schmarotzern, dass ja sonst keiner mehr arbeiten würde, und wenn sonst gar nichts mehr hilft "Was willst du machen" gefolgt von einer Wand aus "Das wird nicht funktionieren, weil da keiner mitmachen würde"
Ich hatte die Diskussion unlängst mit einem Kollegen. Der hat insgesamt so einige Ansichten, die einen Mangel an Ahnung mit Überzeugung kompensieren.
kaenguru@feddit.org · 4 pts · 55d
Eigentlich ist der sogenannte Arbeitgeber der Arbeitnehmer und der sogenannte Arbeitnehmer der Arbeitgeber.
Prunebutt@slrpnk.net · 1 pts · 54d
Also, ich baller dann einfach den "gesunden Menschenverstand" mit Theoriewissen weg. David Graeber mit "Schulden, die ersten 5000 Jahre", heterodoxe Volkswirtschaftlehre. Einfach alle Youtube -Videoessays infodumpen, die man schon 5000 mal gehört hat.
Ich sage nicht, dass es funktioniert. Aber ich will nicht immer nur mit den Menschen der gleichen Überzeugung reden. Das bringt doch auch nix, auf Dauer 😣
Ich will das halt mit Ahnung kompensieren (wie alle linken, eigentlich). Ich hab schon meinem Schwurbler-Bruder zum Marx lesen gebracht. Seitdem sind die (politischen) Gespräche viel angenehmer.
luciferofastora@feddit.org · 2 pts · 54d
Ne, klar, deswegen fecht ich den Scheiß des besagten Kollegen auch immer wieder an. Der ist halt die Sorte "hatte Glück, denke deshalb dass das jeder mit harter Arbeit schaffen kann" mit einer Dosis "Das ist so, gehört so und wird so bleiben".
Wie sich "natürlich ist meine Lebenszeit nicht mehr oder weniger wertvoll als die von anderen" mit "...aber meine Arbeitszeit schon" vereinen lässt ist auch eine Kür mentaler Gymnastik die ich gar nicht nachmachen will. Vor allem, wenn er dabei ja immer noch abgezogen wird. Die armen Reichen muss man halt in Schutz nehmen.
Und "dass Frauen benachteiligt werden wird schon seinen Grund haben" kann ich eh nicht stehen lassen. War ich auch nicht der einzige, der da was gesagt hat. Keine Ahnung, ob das Kontra zweier Männer (einer älter, einer jung) da was bewirkt, aber besser als höflich schweigen ist das auf jeden Fall.
Ich meinte damit eher, dass man auf diesen Bullshit gefasst sein muss, weil die meisten nicht sofort nach einer Frage einknicken. Offenbar bist du da aber bestens vorbereitet. Ob das direkt sichtbar fruchtet ist nicht unbedingt ausschlaggebend, aber zumindest den Eindruck des universellen Konsens müssen wir angreifen. Wer keine Widerworte gewohnt ist, hat sie mal bitter nötig.
Starke Leistung, freut mich für dich (und ihn). Ich hab meine Eltern von der CDU wegbekommen, aber weiter hat es bisher nicht gereicht. Naja, steter Tropfen höhlt den Stein. Hauptsache, wir verlieren den Mut nicht.
Prunebutt@slrpnk.net · 2 pts · 54d
Find ich echt schön, dass du da durchhälst. Ich hoffe, es ist auch nicht ausschließlich schlimm mit ihm (obwohl du dann vermutlich nicht so sehr ins Gespräch gehen würdest).
Klingt so, als wäre er bereit für die "Werttheorie der Arbeitszeit". So jemanden würde ich echt mal fragen, ob er glaubt, so viel selbst zu verdienen. Wie er dem Betrieb gewinn macht und warum der Chef an ihm verdient, nur, weil ihm "der Laden gehört".
So, an sich, würde ich das tatsächlich stehen lassen. Es ist halt mMn kein *guter, Grund. ;) Aber dass Dinge einen Grund haben, ist jetzt nicht sonderlich weltbewegend. Ob ich die Zwecke, die hinter den Gründen stehen teile: da wird's spannend.
Wenn ich da ansetze, kann ich am Eigeninteresse andocken und muss nicht moralisieren.
Hört, hört! Ob ich da super vorbereitet bin, sei mal als These in den Raum gestellt. Aber irgendwas muss aus den ganzen (Hör-)büchern und Podcasts doch bitte auch mal rauskommen. ;)
❤️🖤
Goldholz@lemmy.blahaj.zone · 5 pts · 55d
Wohl wahr. Worte verändern stark wie wir Dinge warnehmen
MissyBee@lemmy.blahaj.zone · 1 pts · 55d
Kann man zusammenfassen und erweitern zu einer kulturelle Hegemonie(siehe Gramsci) der Arbeiterbewegung. Sprache ist ein wichtiger Teil davon und wir sollten das versuchen umzusetzen.
pleb_maximus@piefed.zip · 1 pts · 55d
Aber damit verloren.
brotundspiele@feddit.org · 7 pts · 55d
Wieso nicht Arbeiter und Arbeiterausbeuter?
zakobjoa@lemmy.world · 7 pts · 54d
Arbeiter:innen und Ausbeuter:innen
Boppel@feddit.org · 6 pts · 55d
der arbeitbieter könnte alternativ auch arbeitgönner genannt werden
plyth@feddit.org · 3 pts · 55d
Wenn dann arbeitanbieter. Ein Bieter will normalerweise in einer Auktion etwas kaufen.
Gönner ist auch gefährlich, da es nach kostenlosem Angebot klingt.
Arbeit an sich ist aber schon schwierig. Handelnde würde mir besser gefallen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Sozialwissenschaften)
Boppel@feddit.org · 3 pts · 55d
ich gehe ja bei arbeit von einer im sprachgebrauch üblichen konnotation aus und bieter soll natürlich einen anbieter meinen (ich biete meine arbeit).
insbesondere war mir aber das wort bezieher wichtig
pantherina@feddit.org · 5 pts · 55d
Arbeiter und Arbeitnehmer
kaenguru@feddit.org · 4 pts · 55d
Der Arbeitnehmer gibt seine Arbeit dem Arbeitgeber und der Arbeitgeber nimmt die Arbeit des Arbeitnehmers und verwertet diese zu seinem Gewinn.
PixeIOrange@lemmy.world · 5 pts · 55d
Ich wäre ja für meister und sklave
Boppel@feddit.org · 6 pts · 55d
winzigweich festplatten 1990 sein wie
Unkreativer@feddit.org · 3 pts · 55d
Oder bestimmte Steckdosenleisten
botbot@feddit.org · 4 pts · 55d
Elchi@feddit.org · 4 pts · 55d
Du verwechselst:
Arbeit: Tätigkeit mit einzelnen Verrichtungen, Ausführung eines Auftrags
mit
Arbeitskraft: Kraft zu geistiger oder körperlicher Arbeit, Leistungskraft
Es sind nunmal Auftragnehmer und -geber.
Speiser0@feddit.org · 1 pts · 55d
Wie wär's mit Arbeitsleistender und Arbeitschaffender?