Ich bin konfessionslos, und meine Freundin geht nie in die Kirche. Sie glaubt nicht an einen Gott, wie er in der Bibel beschrieben wird, ist aber aus familiären Gründen (noch) nicht aus der Kirche ausgetreten. Ihr Sohn geht jetzt in die 7. Klasse und wollte von katholischer Religionslehre zu Ethik wechseln. Kein Problem, dachte ich. Ich hatte heute vor der Arbeit Zeit, zum Schulsekretariat zu gehen.
Die Sekretärin teilte mir mit, dass das Kind ohne schriftliche Genehmigung der Kirche nicht wechseln darf und dass das für dieses Schuljahr nicht mehr möglich ist.
WAS ZUR HÖLLE??? DIE FUCKING KIRCHE HAT IN DIESEM GESPRÄCH EXAKT NULL ZU MELDEN!!
Darf der Handballverein jetzt seinen Mitgliedern vorschreiben, welchen Schulsport die Kinder machen dürfen?
Ich hoffe, dass das vielleicht der Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt.
34 Comments
Successful_Try543@feddit.org · 55 pts · 1d
https://de.wikipedia.org/wiki/Religionsunterricht_in_Deutschland
Davon, dass der liebe Herrgott in Vertretung durch die Kirche dem zustimmen müsste, steht da nichts.
Es könnte, je nach Bundesland, möglich sein, dass der Wechsel zum Ethikunterricht nur zum Schul(halb)jahreswechsel möglich ist. Für NRW steht dort, dass dem explizit nicht der Fall ist.
Slashme@lemmy.world · 24 pts · 1d
Oh, das ist sehr hilfreich! Danke, ich habe das schon meiner Freundin geschickt.
You@feddit.org · 8 pts · 1d
§ 27 BaySchO enthält Vorschriften zum Religionsunterricht:
https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BaySchO2016-27
(3) 1Die Abmeldung vom Religionsunterricht bedarf der Schriftform. 2Sie muss
an allgemein bildenden Schulen, diesen entsprechenden Förderschulen und Wirtschaftsschulen spätestens am letzten Unterrichtstag des Schuljahres mit Wirkung ab dem folgenden Schuljahr und
im Übrigen innerhalb der ersten zwei Wochen nach Unterrichtsbeginn ab dem laufenden Schuljahr erfolgen. 3Eine spätere Abmeldung ist nur aus wichtigem Grund zulässig. 4Vom Religionsunterricht abgemeldete Schülerinnen und Schüler nehmen am Ethikunterricht teil, es sei denn, sie sind zum Islamischen Unterricht angemeldet. 5Schülerinnen und Schüler, die die Fachrichtung Kirchenmusik an einer Berufsfachschule für Musik belegen, können sich nicht vom Religionsunterricht abmelden.
(4) 1Auf schriftlichen Antrag der Erziehungsberechtigten bzw. der volljährigen Schülerinnen und Schüler lässt die Schule Schülerinnen und Schüler, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, zur Teilnahme am Religionsunterricht eines Bekenntnisses als Pflichtfach zu, wenn die Religionsgemeinschaft, für deren Bekenntnis der betreffende Religionsunterricht eingerichtet ist, zustimmt und zwingende schulorganisatorische Gründe nicht entgegenstehen. 2Dies gilt entsprechend für Schülerinnen und Schüler, für deren Religionsgemeinschaft Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach für die betreffende Schulart an öffentlichen Schulen in Bayern nicht eingerichtet ist; in diesem Fall ist dem Antrag die Zustimmung dieser Religionsgemeinschaft beizufügen. 3Für den Zeitpunkt des Antrags und für die Abmeldung gilt Abs. 3 entsprechend.
(5) 1Treten Schülerinnen und Schüler während des Schuljahres aus dem Religionsunterricht aus, so haben sie binnen angemessener Frist eine Prüfung über den bis zum Zeitpunkt des Austritts im Unterrichtsfach Ethik behandelten Stoff des Schuljahres abzulegen. 2Erfolgt der Austritt während der letzten drei Monate des Schuljahres, so ist die Prüfung spätestens in der ersten Unterrichtswoche des folgenden Schuljahres abzulegen. 3Ihr Ergebnis gilt als Jahresfortgangsnote im Fach Ethik.
(6) 1In den Jahrgangsstufen 12 und 13 an Gymnasien sowie in den Jahrgangsstufen 12 und 13 der Beruflichen Oberschule gilt Abs. 5 mit der Maßgabe, dass an die Stelle des Schuljahres der Ausbildungsabschnitt tritt. 2Die Prüfung ist innerhalb von sechs Wochen abzulegen. 3Bei Austritt während der letzten vier Wochen des Ausbildungsabschnitts 12/2 ist die Prüfung spätestens in der ersten Unterrichtswoche des folgenden Ausbildungsabschnitts abzulegen.
(7) Für den Ethikunterricht gilt Abs. 2 Satz 2, bei Wiedereintritt in den Religionsunterricht gelten darüber hinaus die Abs. 5 und 6 entsprechend.
ComfortableRaspberry@feddit.org · 17 pts · 1d
Wild? Ich hatte ab Klasse 11 die Option auf Ethik und bei uns hat ein Standardsatz ausgereicht: ich möchte aus Glaubens- und Gewissensgründen nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Fertig.
Dass die Kirche hier entscheiden soll würde ich an deiner Stelle ernsthaft in Frage stellen.
Slashme@lemmy.world · 6 pts · 1d
Naja, ab 14 darf ein Kind soweit ich weiß selber Religionsentscheidungen machen, aber ich hätte gedacht, dass ein Wort von den Eltern reichen soll.
Lumidaub@feddit.org · 17 pts · 1d
Deutschland? Womöglich eine Landesregelung? (Bayern...?) Würde mich aber doch stark wundern, eher gehe ich davon aus, dass die Sekretärin was falsch versteht.
Slashme@lemmy.world · 13 pts · 1d
Ja, Bayern. Danke, CSU.
Ontimp@feddit.org · 15 pts · 1d
Da erzählt das Sekretariat halt einfach Blödsinn. Die Kirche hat da nix zu melden - und die würden das vermutlich auch so sehen lol. Der Fehler scheint mit hier bei der Schule zu liegen.
brainwashed@feddit.org · 12 pts · 1d
Tatsächlich können Vereine alle möglichen Sachen in ihrer Satzung schreiben und von ihren Mitgliedern verlangen. Insofern ist die einfachste Lösung doch dem Verein nicht beizutreten.
Der eigentliche Skandal ist ja nicht die verqueren Weltanschauung des Vereins, die ist ja der Markenkern, sondern dass sich der Staat berufen fühlt, die Einhaltung der Vereinsregeln sicherzustellen.
aaaaaaaaargh@feddit.org · 11 pts · 1d
Bayern?
Art____Dent@feddit.org · 6 pts · 1d
Ich hatte in der weiterführenden Schule Religion, konfessionslos, es wurde einfach über alle Religionen der Welt gesprochen und auch über Sekten. Fand ich gut, und das in einer Schule mit christlichem Träger in NRW. War eben das einzige Gymnasium im Umkreis.
hendrik@palaver.p3x.de · 5 pts · 1d
Puh, da würde ich aber im Sinne des Sohnes nochmal nachhaken. Im Mittelalter war das wahrscheinlich so. Aber im modernen Deutschland? Haben wir nicht Religionsfreiheit? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das korrekt ist und eine Kompetenz der Kirche. Klingt für mich mehr nach einem fehlenden Verständnis der Sekretärin, was seit der Zeit der Aufklärung so passiert ist. Ist sie älter als 227 Jahre? Dann hat sie das vielleicht noch nicht mitbekommen.
Wie man in einem schon laufenden Schuljahr die Unterrichtsstunden wechselt, weiß ich allerdings auch nicht. Für Flexibilität und Dynamik sind so Schulen ja auch oft nicht bekannt. Dann bräuchte man einen freien Platz, man müsste klären wie jemand benotet wird ohne das ganze Schuljahr mitgemacht zu haben, es wurde schon Stoff verpasst... Also geschickterweise macht man das bevor das Schuljahr anfängt. Vielleicht kann man das aber auch so ermöglichen.
Bis das passiert halte ich Religionsunterricht aber auch nicht für unaushaltbar schlimm. Also zumindest ich hab den auch irgendwie überstanden. Man muss nur etwas kreativ sein und ein paar Bewältigungsstrategien an der Hand haben. Also kommt auch immer auf die Lehrer:innen an. Aber ich hab da auch viel über unsere Kultur, Geschichte und das olle Buch gelernt was den Zugrunde liegt. Manchmal hab ich auch die Schulaufgaben für die letzte (oder nächste) Stunde gemacht. Also im Zweifelsfall übersteht man das. Ist halt nur unnötig und Verschwendung wenn man lieber in dem anderen Kurs säße.
(Letztlich vermisse ich aber auch ein wenig die Info, was der Sohn sich denn selber wünscht. Also eigentlich kommt es ja auf ihn an, nicht darauf was die Eltern sind.)
MrFloppy@feddit.org · 5 pts · 1d
Durfte das Kind vor dem ersten Schultag nicht in Ethik, oder will es nach einer Schulwoche wechseln? Das ist ein großer Unterschied. Ein Wechsel unter dem Schuljahr ist immer schwieriger (in jedem Schulfach). Ich schätze es ist unter dem Jahr und den Unterricht hält ein Geistlicher, statt ein Lehrer. Deshalb soll der Geistliche bestätigen, dass das Kind wechseln darf.
Bzgl Religionsunterricht finde ich es viel wilder, dass es noch immer getrennt evangelischen und katholischen Unterricht in Bayern gibt. Bzw dass es überhaupt noch Religionsunterricht gibt, statt einheitlich Ethik.
Slashme@lemmy.world · 5 pts · 1d
Seine Mutter hatte angekreuzt, dass er in Ethik sein will, aber die Schule hat anscheinend nur mitbekommen, dass seine Religionsangehörigkeit katholisch ist, und ihn deshalb dort platziert. Ist ein bisschen kompliziert, weil er in die 7. Klasse in diese Schule gewechselt ist und spät angemeldet wurde.
Havald@lemmy.world · 8 pts · 1d
Dann ist das ja noch viel simpler. Wenn sie das nachweisen kann, dass sie das angekreuzt hat dann ist das nicht mal eine Frage der Konfession oder von gesetzlichen Regelungen. Die Schule hat einen Fehler gemacht und den haben die zu korrigieren. Die können ja auch nicht einfach einen Schüler in Bio stecken der Physik gewählt hat und sich dann wenigern ihn in den richtigen Unterricht zu transferieren.
Wenn sie es nicht nachweisen kann, dann muss die Schule in ihren Unterlagen kramen, das macht es ein wenig schwerer die zu überzeugen, ändert aber an den Tatsachen eigentlich auch nichts.
You@feddit.org · 4 pts · 1d
BaWü? Dann wäre zumindest der Teil mit der Abmeldung nur zu Beginn des Schulhalbjahres wohl korrekt (§ 100 Abs. 3 SchG BaWü).
Aber eine schriftliche Genehmigung der Kirche? Ist das eine Konfessionsschule mit speziellen Regeln? Da würde ich mal nach der Rechtsgrundlage fragen.
Slashme@lemmy.world · 3 pts · 1d
Ist eine ganz normale Realschule in Bayern.
BigShammy80@feddit.org · 3 pts · 1d
Den würde ich was erzählen, wenn die mir/meinem Kind ihre scheiß Religion aufzwingen wollen...
brainwashed@feddit.org · 3 pts · 1d
das lässt sich einfacher erzählen, wenn man nicht Mitglied in dem Verein ist.
trollercoaster@sh.itjust.works · 2 pts · 1d
Der einzige Religionsunterricht, den man braucht, besteht aus einem Satz: "Götter, Heilige und Propheten sind genauso ausgedachter Mumpitz wie der Weihnachtsmann und der Osterhase." Das könnte man eigentlich in der Grundschule in der ersten Stunde Sachunterricht ein für allemal erledigen und hätte danach sogar noch über 40 Minuten Zeit für andere Unterrichtsthemen.
rumschlumpel@feddit.org · 6 pts · 1d
Kulturhistorisch ist Religion schon sehr wichtig, das sollte man durchaus unterrichten. Es gibt auch jede Menge Gesetze, die sich auf Religion beziehen oder von ihr beeinflusst werden, da muss man das Informieren nicht allein den religiösen Organisationen selbst überlassen.
Derartiger Religionsunterricht ist halt was anderes als Konfessions-Unterricht.
trollercoaster@sh.itjust.works · 5 pts · 1d
Ja, im Geschichtsunterricht kann man schon die ganzen Religionskriege, Inquisitionen und Hexenverfolgungen behandeln.
rumschlumpel@feddit.org · 6 pts · 1d
Religion ist halt mehr als mittelalterliche/frühmoderne Gräueltaten, es gibt auch brandaktuelle Missstände, und die werden traditionellerweise weder im Geschichts- noch im Politikunterricht ausreichend behandelt (bei mir war trotz 13-jähriger Schulzeit nicht einmal Zeit für die DDR).
trollercoaster@sh.itjust.works · 3 pts · 1d
Ja, Religionen sind schon sehr menschenfeindliche Ideologien.
Warum man die gegenüber anderen Ideologien privilegieren sollte, kann und will ich nicht verstehen.
rumschlumpel@feddit.org · 0 pts · 1d
Gibt halt mehr Katholiken, Lutheraner, Sunniten und Schiiten in Deutschland als Tankies.
Mim@lemmy.zip · 2 pts · 1d
Alles was ich nicht mag ist Tankie 🤡
rumschlumpel@feddit.org · 1 pts · 1d
Gibt einige andere, aber Faschismus wird idR bereits ausgiebig behandelt (die Qualität ist wohl verbesserungsfähig) und was die menschenverachtenden Aspekte der aktuellen Staatsideologie betrifft, kann man halt von staatlichen Schulen nicht so viel erwarten. Was an aktuell relevanten Ideologien übrig bleibt sind dann halt Religion und einige Formen linker Ideologien (damit sind explizit nicht alle gemeint). Solltest du allerdings der Meinung sein, dass Maoismus und Marxismus-Leninismus nicht die Bezeichnung "Tankie" verdienen, kommen wir nicht auf einen Nenner.
trollercoaster@sh.itjust.works · 2 pts · 1d
Das macht es nicht besser.
rumschlumpel@feddit.org · 2 pts · 1d
Aber eben wichtiger, darüber aufzuklären. Maoismus oder Marxismus-Leninismus beeinflussen nicht die aktuell gültigen Gesetze.
HieroProtagonist@feddit.org · -5 pts · 1d
Der erste Downvote ist übrigens von mir, wollte ich nur mal gesagt haben.
Mim@lemmy.zip · 2 pts · 1d
Und der erste hier von mir. Wollte ich mir mal sagen.
Zwuzelmaus@feddit.org · -2 pts · 1d
Dachtest du ernsthaft, man könne da täglich wechseln? Diese Woche zweimal hier und nächste Woche dreimal dort usw?
Ein guter Anteil bei solchen Vorschriften hat immer damit zu tun, den Verwaltungsaufwand zu begrenzen.
Slashme@lemmy.world · 7 pts · 1d
Das ist der Anfang von Schuljahr und wir hatten schon angekreuzt, dass er in Ethik gehen soll. Sie haben aber gesehen, dass unter "Religionszugehörigkeit", katholisch angegeben wurde und haben ihn deshalb in die Reli Gruppe platziert. Als ich das heute korrigieren wollte, wurde mir gesagt, dass wir einen Brief von der Kirche bräuchten. Die Kirche hat da nichts zu melden und deshalb war ich total schockiert.